Der Regisseur Michael Bay ist kein feinsinniger Filmkünstler. Jenseits des ganz großen Krachs kennt er nur zwei inszenatorische Techniken: die Beschleunigung durch schnelle, konfuse Schnitte und die Zeitlupe, bei der in goldenem Licht Helden-Typen an die Arbeit gehen oder aus der Schlacht zurückkehren. Daran hat sich auch bei "Transfornmers 3" in 3D nichts geändert. Inhaltlich bleibt sich Bay ebenfalls treu, erneut zeigt er seine Affenliebe zum US-Militär und zu jenen Rüstungskonzernen, die dem Pentagon ihr Werkzeug und ihm die Spielsachen stellen. Wieder durchzieht seinen Film ein unschöner Sexismus. Michael Bay bebildert reaktionäre Jungs-Phantasien.Seine simple Gestaltungsweise - Bedrohung, Konfrontation, Sieg der Guten über die Bösen - macht klassische Fortsetzungen eigentlich unmöglich. Auch "Transformers 3" übernimmt nur Bruchstücke und Spurenelemente der Vorgänger. Dem Wesen nach erzählt jeder "Transformers"-Teil die Geschichte vom Kampf außerirdischer Roboter, der guten Autobots, gegen die bösen Decepticons von Neuem. So muss der menschliche Protagonist Sam Witwicky (Shia LaBeouf) auf ewig der jugendliche Schluffi, Identifikationsfigur für die männliche Zielgruppe, bleiben.Nach zwei Abenteuern als Autobot-Verbindungsmann findet sich Sam in "Transformers 3" zwar an der Seite einer attraktiven Britin (Rosie Huntington-Whiteley), aber auch glücklos auf Jobsuche wieder. Statt im knallgelben Camaro, eigentlich Autobot Bumblebee, fährt Witwicky einen rostenden Datsun. Es nagen die Nervereien seiner eher peinlichen Eltern und diverse Komplexe sowie Beziehungsprobleme. Gut, dass Sam da schnell wieder Teil der Schlacht zwischen den sich in US-Autos, Flachbildschirme oder militärisches Gerät verwandelnden Robotern wird!Im Kern geht es um ein abgestürztes Transformers-Raumschiff auf dem Mond, das gefährliche Technologie birgt und den genialen Autobot Sentinel Prime. Als der geborgen wird, beginnt auch schon wieder der Krieg, in dessen Verlauf der Transformers-Heimatplanet zur Erde geholt werden soll und der Menschheit eine Zukunft als versklavtes Service-Personal droht.So sieht der Prolog aus für einen gut einstündigen Showdown, der den Hauptspielort Chicago zum Schrottplatz und zur Ruinenlandschaft macht. Bay zitiert mit seinem Spektakel traumatische Schlüsselbilder der US-Geschichte - die Explosion des Space Shuttles Challenger 1986, besonders aber den 11. September 2001. Eine zerfetzte US-Flagge; ein offenbar wertloser, von Obama verliehener Orden und Optimus' Floskeln über die Unzuverlässigkeit von Alliierten machen Bays Weltbild klar: Eigentlich lebt in "Transformers 3" die Ära George W. Bush weiter.Nur in einem Punkt ist "Transformers 3" auf der Höhe der Zeit. Nach zahllosen, so nachträglich wie mittelmäßig aufgehübschten Produktionen wurde Bays konfuses Spektakel weitgehend in 3D gedreht: Wenn geborstenes Metall herumfliegt (was sehr oft passiert) oder Soldaten wie Flughörnchen durch die Chicagoer Straßenschluchten gleiten, gewinnt Bays Stahlgewitter ästhetischen Kitzel. An den Kopfschmerzen wegen inhaltlicher Fragwürdigkeiten, hektischer Schnittfolgen und einer dröhnenden Tonspur ändern diese Momente leider nichts.------------------------------Foto: Maschinengewehrarme - praktisch beim Schießen, aber schlecht, wenn man sich mal am Bart kratzen möchte.