Nach Wochen des offenen Schlagabtauschs scheint etwas Ruhe in den sogenannten Berliner Müllkrieg gekommen zu sein. Der private Entsorgerkonzern Alba AG hat seine Internetwerbung für die vom Senat als rechtswidrig eingestufte Berliner Wertstofftonne" - eine Fortentwicklung von Albas Wertstoffbehälter "Gelbe Tonne Plus" für Eigenheimbesitzer am Stadtrand - vorerst von der Firmen-Homepage entfernt. Und als hätte es niemals einen Streit mit dem landeseigenen Entsorger BSR über die künftige Wertstoffsammlung in der Hauptstadt gegeben, bestreitet das Unternehmen sogar, eine "Ausweitung" seiner Sammlung geplant oder durchgeführt zu haben.Der Grund für die neue Zurückhaltung, nachdem Alba-Chef Eric Schweitzer zwischenzeitlich gar mit "rechtlichen Schritten" im Falle einer Ablehnung seiner Wertstofftonne gedroht hatte, ist klar: Derzeit prüfen Juristen auf beiden Seiten - bei Alba und in der Umweltverwaltung von Senatorin Katrin Lompscher (Linke) - die Optionen für das weitere Vorgehen. Die Behörde hatte Alba kürzlich schriftlich erklärt, dass sie allenfalls eine weitere Duldung der Gelben Tonne Plus auf dem erreichten Stand als möglich erachte, keinesfalls aber eine "Ausweitung", wie es zuletzt Umweltstaatssekretär Benjamin Hoff (Linke) im Parlament formulierte. Alba hat darauf bereits geantwortet, das Schreiben werde jetzt geprüft und über alles Weitere "zeitnah" entschieden, teilte die Umweltverwaltung gestern mit. Über den Inhalt ist nichts Offizielles bekannt.Allerdings bestreitet die Alba AG inzwischen, jemals irgendwo oder irgendwie eine "Ankündigung oder Aussage zur Ausweitung der Gelben Tonne Plus" getätigt zu haben. Albas Sprecherin Verena Köttker stellte gestern vielmehr fest: "Die Aussage, dass Alba das Sammelsystem Gelbe Tonne Plus ausgeweitet hat, ist nicht zutreffend. Eine Ausweitung über den geduldeten Status quo hinaus wurde von uns weder vorgenommen noch geplant."Nur über diesen Status quo gibt es offensichtlich unterschiedliche Auffassungen: Während die Behörde den Ist-Stand (laut Alba rund 380 000 angeschlossene Haushalte) für maßgeblich hält, sieht Alba die Grenze bei 410 000 Haushalten - eine Größenordnung, die auch im Entwurf des Berliner Abfallwirtschaftskonzepts erwähnt ist.Der Grund für Albas neue Vorsicht indes liegt vermutlich darin, dass die Verwaltung es dem Unternehmen durchaus übel genommen hat, auch nach einem Gespräch zwischen Staatssekretär und Firmenchef weiter fürs Plus-System geworben zu haben. Die Behörde hält die Gelbe Tonne Plus für unzulässig, weil darin auch Wertstoffe gesammelt werden, die nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2009 der Kommune gehören. Derzeit versuchen kommunale und private Entsorger bundesweit, ihre Chancen bei der künftigen Wertstoffsammlung zu wahren und auszubauen - denn das für 2011 geplante neue Kreislaufwirtschaftsgesetz wird mehr Trennung und Wiederverwertung vorschreiben als bisher. Alba möchte mit der Gelben Tonne Plus das Rennen machen, die BSR testet zurzeit eine ähnlich konzipierte "Orange Box".------------------------------"Die Gelbe Tonne Plus wurde über den geduldeten Status quo nicht ausgeweitet." Verena Köttker, Alba-Sprecherin