Zwei Sportkaufhäuser sind gestern eröffnet worden. Doch während auf den Spielfeldern oft Aggressivität und Tempo herrschen, geht es dort vornehm zu: Beide Geschäfte locken mit Ruhe und Raum.Grelle Farben verbot beim neuen "Karstadt-Sport" unweit des Bahnhofs Zoo schon das Gesetz: Das Gebäude aus den 50er Jahren steht unter Denkmalschutz. Damit ist das Thema Tradition jedoch bereits beendet, denn mit den bekannten Einkaufstempeln haben weder das Haus am Zoo, noch "Karstadt-Sport" in den Friedrichstadt-Passagen viel zu tun. Keine großen Werbetafeln, keine meterhohen Spiegel, keine Lautsprecherdurchsagen versuchen, die Kunden einzufangen. "Die Spiegel sind in den Umkleidekabinen. Das gehört bei Adidas zum Konzept", sagt ein Verkäufer im 2. Stock des Kaufhauses am Zoo. Wie auch in den Galeries Lafayette ist zwischen den Ständern mit T-Shirts und Jacken viel Platz, so daß sich niemand beengt fühlt, auch wenn viele Kunden da sind.Zur Eröffnung kamen gestern Tausende Besucher, die allerdings nicht nur an den Kleiderständern stehenblieben. Viele zog es am Zoo zu den Video-Installationen und Internet-Terminals, an denen in den ersten Tagen kostenlos gespielt werden darf. Ein Frühstückscafe im amerikanischen Stil und eine Salatbar ersetzen das einstige Kaufhaus-Restaurant."Karstadt-Sport" am Zoo befindet sich im ehemaligen Bilka-Haus auf der Ecke von Kant- und Joachimstaler Straße. Es ist am 27. Juni 1952 als "Durchgangswarenhaus" eröffnet worden und war das erste fensterlose Kaufhaus Europas. Die beiden Silben "Bilka" stehen für billig und kaufen. Dank des großen Erfolgs eröffnete der Hertie-Konzern bis 1965 in Berlin sechs Bilka-Filialen, die - seit Karstadt Hertie übernommen hat - fast alle geschlossen wurden. Das bekannteste Haus an der Joachimstaler Straße bekam wegen der flachen Kuppel auch den Spitznamen "Groschenmoschee". +++