BERLIN. Bisher beanspruchte die Deutsch-Arabische Gesellschaft (DAG) der Ansprechpartner zu sein, wenn es um die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und den Ländern im Nahen Osten ging. Das ist ihr in den letzten Jahren jedoch immer weniger gelungen. Jetzt bekommt der seit 1966 bestehende Verein eine ernsthafte Konkurrenz: In der vergangenen Woche wurde in Berlin die Deutsch-Arabische Freundschaftgesellschaft (DAFG) gegründet. Morgen will sich der neue Verein auf einer Pressekonferenz präsentieren. "Wir wollen einen neuen Anfang wagen", sagt der bayerische Politiker Otto Wiesheu (CSU), der auf der Gründungsversammlung zum Präsidenten der DAFG gewählt worden ist.Deutsch-arabische Kontakte und Berührungspunkte gibt es in vielen Bereichen: Immer mehr Menschen arabischer Herkunft leben in Deutschland. Der Handel hat sich intensiviert. Insbesondere die Golfregion zieht immer mehr Touristen an. Das Interesse an der Religion und der Kultur der arabischen Länder ist gewachsen. Das Bild "vom anderen" wird jedoch im Westen und damit auch Deutschland durch Terror, religiösen Fanatismus und politische Instabilität bestimmt. In Arabien wird die Sicht durch die Angst vor Bevormundung und der Geringschätzung des Islam oder tief verwurzelter Traditionen geprägt. Klischees und Vorurteile herrschen vor. Das Aufgabenfeld für eine Organisation, die sich um Kontakte, Information und Aufklärung bemüht, ist daher größer geworden.Die bereits seit 1966 existierende Deutsch-Arabische Gesellschaft zeigte sich dieser Aufgabe kaum noch gewachsen. Es waren vor allem die als antisemitisch interpretierten Statements sowie die Publicity-Eskapaden ihres einstigen Präsidenten und FDP-Politikers Jürgen Möllemann in den Jahren 2002 und 2003, durch die die DAG ins politische Abseits geriet. Von diesem Ansehensverlust hat sich die DAG trotz prominenter Mitglieder - zum Beispiel dem amtierenden Präsidenten und Publizisten Peter Scholl-Latour - nicht wieder erholt.Die Deutsch-Arabische Freundschaftsgesellschaft tritt jetzt selbstbewusst an. Sie will künftig der wichtigste Ansprechpartner werden, wenn es um die deutsch-arabischen Beziehungen geht, ob im politischen, kulturellen, wissenschaftlichen oder wirtschaftlichen Bereich. Der neue Verein richtet sich an Deutsche wie auch an die Bürger der arabischen Länder. Zu den Initiatoren gehören deutsche Bürger mit arabischen Wurzeln sowie Politiker aus fast allen im Bundestag vertretenen Parteien, Repräsentanten aus dem Kulturbereich und Wirtschaftsvertreter. Man will stabile Beziehungen zu Politikern, Parteien und Institutionen in Deutschland sowie den arabischen Ländern knüpfen, einen Informationsdienst herausgeben, Ausstellungen, Studienreisen organisieren und ein Jugendaustausch-Programm ins Leben rufen.Insbesondere aber setzt sich die DAFG das Ziel, eine sachliche Auseinandersetzung über politische Streitfragen zu fördern - um nicht das Schicksal des Konkurrenzvereins DAG zu teilen. "Antisemitische Tendenzen oder Äußerungen, die das Existenzrecht Israels in Frage stellen," bekräftigt SPD-Politiker und Vorstandsmitglied des Vereins, Rolf Mützenich, "dürfen von der DAFG nicht toleriert werden."------------------------------Foto : Otto Wiesheu ist Präsident der Deutsch-Arabischen Freundschaftsgesellschaft (DAFG).