WILHELMSHORST. Während das hoch verschuldete Erzbistum Berliner Kirchen zum Verkauf ausschreibt, wird in Brandenburg bereits die erste Kapelle zu Geld gemacht: die von Wilhelmshorst, einem Ort bei Michendorf (Potsdam-Mittelmark). Das Gebäude samt Grundstück ist bereits verkauft, sagte Stefan Förner, der Pressesprecher des Erzbistums. Allerdings handelt es sich bei der Wilhelmshorster St.-Marien-Kapelle nicht um eine Kirche oder ein Kirchlein im klassischen Sinn, sondern um ein zu Gebetszwecken umfunktioniertes Haus. Der Käufer will das Gebäude abreißen und an anderer Stelle ein Wohnhaus errichten, sagt Werner Dimke, der Wilhelmshorster Pfarrer. Der Kaufvertrag tritt zum 1. März in Kraft. Künftig werde die katholische Gemeinde ihre Gottesdienste in der Kapelle des im Ort gelegenen Klosters der "Mägde Mariens" abhalten, später in der des Seniorenheims, das gegenwärtig im Dorf gebaut wird. Der Entschluss des Erzbistums, die Immobilie zu verkaufen, "traf uns nicht unvorbereitet", sagt der Pfarrer. "Drei Kapellen für einen Ort wären ohnehin zu viel."Die Wilhelmshorster Kapelle wird nicht die einzige in Brandenburg sein, die verkauft wird, sagt der Pressesprecher des Erzbistums. Eine genaue Zahl, wie viele veräußert werden sollen, stehe noch nicht fest. Nur eine Größenordnung mag er nennen - etwa fünf. In Brandenburg gibt es seinen Angaben zufolge gut 80 katholische Kirchen. Der weitaus größere Teil der rund 1 500 Gotteshäuser in Brandenburg gehört der Evangelischen Kirche. Ein zweiter Verkauf einer katholischen Behelfskirche wird gegenwärtig gerade vorbereitet: Die Clemens-Maria-Hofbauer-Kapelle von Seelow (Märkisch-Oderland) wurde bereits Ende vergangenen Jahres entwidmet und leer geräumt, sagt Pfarrer Ronald Rother. Auch diese - nach einem Wiener Seelsorger benannte - Kapelle war in einem als Wohnhaus errichteten Gebäude untergebracht, das zuvor auch schon als Ziegenstall diente. "Jetzt steht es zum Verkauf", sagte Rother. So spare die Kirche auch Betriebskosten. Die wenigen Seelower Katholiken müssen nun zum Gottesdienst ins zwölf Kilometer entfernte Golzow fahren. Das Erzbistum Berlin-Brandenburg versucht gegenwärtig, seine ursprüngliche Schuldenlast von 148 Millionen Euro in den Griff zu bekommen. Deshalb sollen in Berlin sechs katholische Kirchen verkauft werden. (ost.)"Drei Kapellen wären für Wilhelmshorst ohnehin zu viel. " Pfarrer Werner Dimke