Berlin ist eigentlich nichts für Surfer", sagt Holger Hoffmann aus Lichtenrade. "Auf dem Teufelsberg gibt es zu wenig Schnee zum Snowboarden und auf dem Wannsee einfach zu wenig Wellen." Doch das hält den 25-Jährigen nicht davon ab, sich auch in der Stadt ordentlich in die Kurven zu legen. Longboarden heißt seine Leidenschaft, und das geht auch auf Asphalt. Statt auf einem kleinen Skateboard, das eher für Tricks und Sprünge geeignet ist, fährt Holger auf einem 1,30 Meter langen Brett dem Longboard durch die Gegend. Oft trifft er sich dazu mit Freunden am Teufelsberg. "Die Strecke von der Funkstation ist richtig Klasse", sagt Holger. Hier bekommen er und sein Brett die richtige Geschwindigkeit. Mit bis zu 40 Kilometern pro Stunde rast Holger dann im Slalom den Berg hinab, "genug Speed um sich ganz flach über den Boden zu legen", sagt er. Doch auch für die Fortbewegung in der Stadt benutzt Holger sein Longboard. Weil es so lang ist, könne man damit viel "relaxter" als mit einem Skateboard über den Asphalt gleiten. "Mit einmal Schwung nehmen, komme ich bis zu hundertfünfzig Meter weit", sagt er. Nur das Bremsen sei für Anfänger nicht so einfach. Bei langsamen Geschwindigkeiten reiche es noch, einen Fuß rauszustellen und damit zu bremsen. "Bei schnellerer Fahrt sollte man schon bestimmte Techniken beherrschen, zum Beispiel den Colemann-Slide", sagt Holger. Dafür muss das Brett bei voller Fahrt quer gestellt werden. "Es rutscht dann über den Boden, bis man steht." Wie viele Trendsportarten kommt auch das Longboarden aus den USA. Bereits in den 60er Jahren sollen dort Surfer, die nicht so nah am Meer wohnten, damit angefangen haben. "Die haben sich einfach Rollen unter ihre Surfbretter montiert und sind dann auf den breiten Straßen Kaliforniens den Berg runtergekurvt", sagt Holger. Seitdem haben sich die Bretter zu speziellen Sportgeräten entwickelt. Ein gutes Brett aus verleimten Holzschichten kostet um die vierhundert Mark, einfachere Varianten sind ab dreihundert Mark zu haben. "In den USA, aber auch an der französischen Atlantikküste sind die Boards häufig anzutreffen," erzählt Holger. Aber auch in der Schweiz gebe es schon einen richtigen "Run" auf das Longboarden. Durch spezielle Polster geschützt, würden dort bei Wettkämpfen bis zu drei Leute gleichzeitig um die Wette die Bergstraßen herunterrasen. "Wenn alles klappt wie geplant, soll es einen solchen Wettkampf im nächsten Jahr auch in Berlin geben", sagt Holger. Dann will er am Teufelsberg den "Downhill-Cup 2 000" für Longboarder ausrichten. "Schließlich habe ich schon Erfahrung mit der Organisation von größeren Partys gesammelt", sagt er. Wer Longboarden bis dahin einmal ausprobieren will, dürfte es allerdings schwer haben. Zwar gibt es die Boards schon in einzelnen Longboard Shops, "ausleihen kann man sie dort jedoch noch nicht", bedauert Holger. TRENDSPORT Bis Tempo 60 // Longboards sind dünne formgepresste Holzlagen, in Schichten verleimt, mit darunter montierten Longboardrollen, zum Teil mit Teflon und Alu verstärkt. Geschwindigkeit: Erfahrene Profis fahren mit den Longboards mit Tempo 60 die Berge hinab, gute Fahrer bringen es immerhin auf ca. 40 Stundenkilometer. Zur Sicherheit sind wie beim Skateboarden Protektoren für Hände, Knie und Ellenbogen nötig, außerdem sollte ein Helm getragen werden.