Neues Kleineleutestück von Tankred Dorst in München uraufgeführt: Wegen Reichtum geschlossen

Wenn das Glück brave Menschlein heimsucht, kann das nicht anders als gottgewollt sein, denken Max und Rosa. Sie danken Gott mit einer Andacht: Glocken läuten, Sterne funkeln. Doch der Gott, dem in Wahrheit gehuldigt wird, ist ein Götze und liegt in dikken Bündeln auf dem Tisch: Geld. In rauhen Mengen. Elf Millionen. Der Lottogewinner Max kann es sich nun leisten, seinen muffigen Tante-Emma-Laden dichtzumachen. Er hängt ein Schild an die Tür: "Wegen Reichtum geschlossen". Großes GeldDer Autor Tankred Dorst nennt sein in München am Bayerischen Staatsschauspiel uraufgeführtes Stück eine "metaphysische Komödie". Er erzählt eine Geschichte, wie man sie schon tausendmal gehört hat: Kleine Leute kommen ans große Geld, prassen, was das Zeug hält, ziehen eine Menge zwielichtiger Anlageberater und falscher Freunde an, verprassen alles und gucken am Ende dumm aus der Wäsche. Metaphysisches verkündet Dorst nicht. Max und Rosa kommentieren ihren Niedergang am Ende mit irrem Gelächter: Die einfachste Art, sich aus einem Stück ohne Aussage zu verdrücken. Den Personen bleibt vom Geheimnis nur die Naivität, sie agieren plakativ, sind berechenbar wie der Mammon, um dessen Wirkkraft auf das Menschenglück sich alles dreht.Regisseur Alexander Lang rettet sich in seine Kunst des Menschenzeichnens und ins Spielerische: Dorsts zu Naturalismus verführende Vorlage verfremdet er ins Groteske, den Konsumwahn des Ehepaars Gallenz ästhetisiert er mit Hilfe der Bühnenbildnerin Caroline Neven Du Mont: Im Hintergrund türmen sich Berge von Kisten zu einem Sinnbild des Warenrauschs ein kunterbuntes Märchen, mehr nicht.Mutation zum SnobEine Freude allein die Schauspieler: Michael Degen spielt witzig, wie er als Max zum Snob mutiert. Er hievt seine Sprache auf Stelzen, jetzt ist er ja wer, spricht fast wie in der "After Eight"-Werbung. Schmieriger als Peter Albers bot noch kein Chauffeur seine Dienste an. Paul Herwig ist als Anlageberater die Anbiederung in Person, ein Mann ohne Stolz, ein Kakerlake des Geldes.Alexander Langs Inszenierung ist kurzweilig, aber nicht spannend. Über Max und Rosa, über allem Trubel, über allem Gewinnen und Verlieren spannt sich nur das sternenklare Himmelszelt. Da wird der Mensch klein, aller Lärm leis und mancher Theaterabend völlig unerheblich.