Der Arendsee In Sachsen-Anhalt. durch jahriehnteiange Einleitung kommunaler Abwässer mit Nährstoffen überfrachtet. wird nun von seiner Aigenfiut befreit. Ein wissenschaftliches Projekt des Magdeburger GKSS-instltuts für Gewässerforschung soli dies ermögiichen.Einst galt der Arendsee mit seinem kristallkiarem Wasser und dem äußerst geringen Algenwuchs als die "Perle der Altmark". Seit den 50er Jahren allerdings verschlechterte sich sein Zustand zunehmend. Durch die ungeklärte Einleitung kommunaler Abwässer und der damit verbundenen hohen Nährstoffbelastung eutrophierte der See: Das Algenwachstum nahm zu, das Wasser trübte ein. Ein Zustand, der weder für die Ökologie des Gewassers, für die Fischerei noch für seine Nutzung als Badesee von Vorteil war.Erst Ende der 70er Jahre wurde die Einleitung der Abwässer beendet. Zur gleichen Zeit installierte man im See eine Tiefenwasserableitung -- ein Pilotprojekt in der damaligen DDR. Eine wesentliche Verbesserung der Wasserqualität wurde dadurch jedoch bislang nicht erreicht. Bedingt durch die geringen Zuflüsse können nur entsprechende Wassermengen abgeleitet werden, ansonsten wäre die Stabilität des Sees gefährdet.Im GKSS-lnstituts für Gewässerforschung in Magdeburg ist es jetzt gelungen, ein großtechnisches Verfahren zur Reduzierung der Blaualgen zu entwickeln. "Wir haben in zahlreichen Versuchen festgestellt, daß Seekreide, also Calciumkarbonat, den Phosphor bindet und am Sediment festlegt", erklärt der verantwortliche Wissenschaftler des Prolektes, Dr. Helmut Rönicke.Bei dem Verfahren wird dle Seekreidebank am Nordufer des Arendsees, die über viele Jahrhunderte durch die von Algen induzierte Calcitausfällung entstanden ist, abgespült. Dieses Calciumkarbonat bindet dann den für das Algenwachstum entscheidenden Phosphor. Zugleich sollen 75 Prozent der Weichsedimentbereiche mit einer rund einen Zentimeter dicken Calcitschicht abgedeckt werden, um die Phosphorrücklösung aus den Sedimenten zu unterblnden.Natürliche ProzesseDas Verfahren ist für das Ökosystem des Sees unbedenklich, da es -- anders als bei bereits bestehenden Restaurierungsverfahren -- auf natürlichen Prozessen beruht. Den Beweis dafür haben die Forscher ebenfalls im Labor erbracht. "Den Wasserflöhen dienen die mit organischen Material beladenen Calcitpartikel sogar als zusätzliche Nahrung", weiß Dr. Rönicke zu berichten. Und auch an den Wasserbakterien seien keine Auswirkungen beobachtet worden. Die Magdeburger Wissenschaftler versprechen sich durch ihr Projekt, das vom Bundesforschungsminlsterlum gefördert wird, einen erheblichen Rückgang des Algenwachstums im Arendsee. Bestätigt der Großversuch diese Hypothese, dann sind ähnliche Restaurlerungsarbeiten ebenfalls bei anderen Seen denkbar. "Immerhin gibt es allein in Mecklenburg-Vorpommern rund hundert Binnengewässer, die Seekreidebänke besitzen", sagt Rönicke.Zusätzliche BelastungDoch zusätzliche Gewässerbelastungen durch Nährstoffe wird es immer wieder geben: durch unkontrollierte Einleitungen etwa anliegender Wochenendgrundstücke und Camper oder durch Niederschläge und Staub. Am Arendsee kommt noch ein natürlicher Faktor dazu: Jährlich überwintern hier zigtausend Gänse aus Skandinavien und den westlichen Staaten der ehemaligen GUS, deren Exkremente das Wasser beeinträchtigen. Im Interesse des Naturschutzes wird man damit allerdings leben müssen, meint der Experte. Darüber hinaus belasten die jährlich rund 500 000 Badegäste -- vor allem mit ihrer wasserlöslichen Hautkosmetika -- den See nicht unwesentlich.So scheint es, daß nach ein paar Jahren wieder "Großreinemachen" im Arendsee angesagt sein wird. Am 1. August wurde mit den ersten Probespülungen begonnen. Im Herbst folgen die Hauptspülungen.