Der unter dem Namen "Dagobert" bekanntgewordene Kaufhauserpresser Arno Funke muß für neun Jahre ins Gefängnis. Das hat am Freitag das Berliner Landgericht entschieden und das erste Urteil um ein Jahr und drei Monate verschärft.Mit ernstem Blick und ohne jede Regung nahm der 46jährige Lackierer den Richterspruch entgegen. Selbst gegenüber seinen Anwälten kommentierte er das Urteil nicht."Herr Funke hat keinen Grund, in Hoffnungslosigkeit zu verfallen", betonte der Vorsitzende Richter Peter Scholz in seiner knapp einstündigen Urteilsbegründung. Da der 46jährige mehr als zwei Jahre in Untersuchungshaft saß, stellte Scholz ihm eine baldige Verlegung in den offenen Vollzug in Aussicht.Bis zum Frühjahr 2000 wird Funke mindestens die jetzt gegen ihn verhängte Strafe absitzen müssen. Dann hat er Zweidrittel seiner Haft verbüßt und kann auf Bewährung hoffen. Unter dieser Voraussetzung würde er nur zehn Monate länger im Gefängnis sitzen, als bei dem 1995 verhängten Urteil. Daran gemessen könnte Funke erleichtert über diesen Prozeßausgang sein, zumal die Staatsanwaltschaft ihn erneut für zehneinhalb Jahre ins Gefängnis schicken wollte. Als "Abschreckung" für potentielle Nachahmer, nachdem "Dagobert" zwei Jahre lang für Aufsehen gesorgt hatte.Auf den Antrag der Anklagebehörde hin hatte auch der Bundesgerichtshof das erstrichterliche Urteil aufgehoben. Ihm erschien es erstaunlich, daß ein an Konzentrationsstörungen leidender Mann derart raffiniert Geldübergaben mit ferngesteuerten Abwurfgeräten planen konnte. Die Depressionen hätten bewirkt, daß sich das Bewußtsein von Funke allein auf die Erpressungen konzentrierte, "er nicht von ihr lassen konnte", so das Gericht. Es folgte den Gutachtern, die dem Angeklagten verminderte Schuldfähigkeit zugebilligt hatten, weil er durch das jahrelange Einatmen giftiger Dämpfe eine hirnorganische Schädigung davongetragen habe. Dennoch dürften die Taten "nicht verniedlicht werden", befand Richter Scholz. Anders als im ersten Urteil wertete das Gericht die Erpressung von KaDeWe und die versuchte Erpressung von Karstadt, bei denen Sprengsätze hochgingen, nicht als minderschwere Fälle.Staatsanwaltschaft wie auch Verteidigung prüfen zwar, ob sie das Urteil annehmen werden. Doch Anwalt Wolfgang Ziegler äußerte bereits Bedenken, ob es sich lohne, seinen kranken Mandanten, der bereits Selbstmordversuche hinter sich hat, noch mal "durch die Instanzen zu jagen." Vermutlich ist der Fall des wohl bekanntesten Erpressers für die Gerichte nun abgeschlossen.Funke dagegen wird wohl sein Leben lang an den Folgen zu tragen haben. Denn er wird die Millionen-Schäden, die seine Bomben verursacht haben, begleichen müssen. +++