Obwohl es einen Monat vor dem 1. Mai noch keine offizielle Anmeldung gibt, rechnet die Polizei mit der üblichen linken und linksradikalen Demonstration am Abend des Feiertages in Berlin. Unklar war aber noch, wo und wie die Demonstration ablaufen soll. Es gebe bisher zwar einen Aufruf zur „Demonstration zum revolutionären 1. Mai“, dem sogenannten 18-Uhr-Aufzug, teilte die Polizei mit. Die Aktivitäten in der linken Szene seien aber „noch verhalten“. Die Polizei gehe aber wegen der Erfahrungen der vergangenen Jahre davon aus, dass es im April eine starke Mobilisierung geben würde und dann auch viele Demonstranten den Aufrufen folgen würden.

Die Polizei bereitet sich für den Einsatz bei der großen Demonstration, bei der es immer wieder Gewaltausbrüche gab und gibt, „mit einem hohen Personaleinsatz“ vor. So könne man auf „spontane Lageentwicklungen“ reagieren, um einen störungsfreien Verlauf des Tages zu erreichen.

Zum ersten Mal kam es 1987 nach einem Straßenfest in Kreuzberg zu Straßenschlachten zwischen der Polizei und linken Demonstranten, Bewohnern und feiernden Menschen. Die nächsten Jahrzehnte waren die Gewaltausbrüche mit Steinwürfen und brennenden Barrikaden mal heftiger, zuletzt aber zunehmend geringer.

Erneut Mai-Demonstration im Villenviertel Grunewald

Angemeldet ist in diesem Jahr außerdem für den Nachmittag des 1. Mai eine linke Fahrrad-Demonstration durch den Villen-Stadtteil Grunewald im Westen Berlins. Dort hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder bunte und satirisch orientierte Demonstrationen gegeben, die oft auch mit kleineren und mittleren Beschädigungen an Gartenzäunen und parkenden Autos verbunden waren. Ob wie früher am 30. April, dem Vorabend des 1. Mai, eine linke Demonstration durch Wedding ziehen wird, stand noch nicht fest.

Abgesagt vom Veranstalter wurde inzwischen die israelfeindliche Al-Kuds-Demonstration von palästinensischen Gruppen am 30. April. Das sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Gründe wurden nicht bekanntgegeben. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hatte vor einigen Tagen angekündigt, die Demonstration wenn möglich verbieten zu lassen. Entsprechende Maßnahmen würden von der Versammlungsbehörde der Polizei geprüft, hieß es.

2020 und 2021 war die Demonstration wegen der Corona-Pandemie ausgefallen. In früheren Jahren zogen bis zu 1200 Demonstranten über den Kurfürstendamm. Sprechchöre mit antisemitischen Parolen waren zu hören, Plakate zeigten Landkarten des Nahen Ostens ohne den Staat Israel. Am Al-Kuds-Tag, der am Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan liegt, ruft der Iran jedes Jahr zur Eroberung Jerusalems auf. Al-Kuds ist der arabische Name für Jerusalem.