Berlin/ Cuxhaven - Die Impfung gegen das Corona-Virus ist nach dem abschließenden Obduktionsbericht nicht die alleinige Ursache für den Tod eines 12-jährigen Jungen im Kreis Cuxhaven. Laut einer Stellungnahme des Paul-Ehrlich-Institutes (PEI) habe bei dem Kind „eine besonders schwere, impfunabhängige Vorerkrankung des Herzens“ vorgelegen, teilte der Landkreis Cuxhaven am Montag mit. „Unter Berücksichtigung der umfangreichen medizinischen Befunde ist die Impfung nicht als alleiniger Auslöser des tödlichen Ausgangs zu sehen“, hieß es in der Mitteilung.

Das Kind war zwei Tage nach der Zweitimpfung mit dem Impfstoff von Biontech/ Pfizer gestorben. „Auch wenn die endgültige Bewertung des Obduktionsergebnis des Kindes nun vorliegt, bleibt für die Familie und Angehörigen der tragische Verlust Ihres Kindes, der unendlich schmerzhaft ist und uns alle tief berührt. Ihnen gehört unser vollstes Mitgefühl“, betonte Landrat Kai-Uwe Bielefeld (parteilos). Gemeldete Todesfälle im zeitlichen Zusammenhang mit einer Corona-Impfung bei Kindern und Jugendlichen sind extrem selten. Das PEI führt bis 30. September fünf solcher Verdachtsfälle bei Menschen zwischen 12 und 17 Jahren auf, die sich auf eine Impfung mit dem Biontech-Mittel beziehen. Bei mindestens drei der Jugendlichen bestanden laut PEI schwere Vorerkrankungen.

Der in Cuxhaven eingesetzte Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer darf in Israel unterdessen auch Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren verabreicht werden. Das entschied das Gesundheitsministerium am Sonntag, nachdem sich zuvor bereits ein Beratergremium dafür ausgesprochen hatte. Bislang galt die Impfzulassung nur für Kinder ab zwölf Jahren und Erwachsene. In Europa und damit auch in Deutschland ist bisher noch kein Corona-Impfstoff für Kinder unter zwölf Jahren zugelassen. Biontech und Pfizer haben aber bereits eine Zulassung ihres Präparats für fünf- bis elfjährige Kinder beantragt, wie sie Mitte Oktober mitteilten. Eine Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA ist vor Weihnachten anvisiert.

Ausnahmen in Israel für Kinder mit Herzproblemen

Vergangene Woche hatte auch der Hersteller Moderna einen Antrag auf Zulassungserweiterung für Kinder von sechs bis elf Jahren in der EU gestellt. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt das Moderna-Präparat Spikevax, das bislang in der EU für Menschen ab zwölf zugelassen ist, aufgrund eines erhöhten Risikos für Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen allerdings nicht mehr für Menschen unter 30 Jahren.

In Israel war die Impfung von Fünf- bis Elfjährigen in extremen Ausnahmefällen bereits zuvor erlaubt worden. Die Ausnahmen sollten für Kinder gelten, die besonders gefährdet seien, im Falle einer Corona-Infektion schwer zu erkranken oder zu sterben, hieß es damals. Als Beispiele nannte das Gesundheitsministerium unter anderem extreme Fettleibigkeit, schwere chronische Lungenkrankheiten und Herzprobleme.

In Cuxhaven hatten die Behörden nach dem Tod des 12-Jährigen beschlossen, in Schulen nur noch gesunde Kinder zu impfen, wie der öffentlich-rechtliche NDR meldete. Im Landkreis Cuxhaven sind drei mobile Impfteams im Auftrag der Kreisverwaltung im Einsatz. In den Schulen im Kreisgebiet sollen aber nur noch Kinder ohne bekannte Vorerkrankungen geimpft werden. Alle anderen Kinder sollten zur Impfung zu ihrem Hausarzt gehen, da dieser mögliche Vorerkrankungen besser kenne, heißt es. (mit dpa)