Berlin - In Deutschland haben mehr als 15 Prozent der Menschen eine Corona-Erstimpfung erhalten. Nach Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) waren am Wochenende 15,2 Prozent mindestens einmal geimpft, das sind 12,7 Millionen Menschen. 5,9 Prozent (4,9 Millionen Menschen) hatten schon eine Zweitimpfung erhalten. Zugleich sind die Intensivmediziner besorgt.

Seit Mitte März steigt die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen an. Am Sonntag wurden dort 4585 Corona-Kranke behandelt, wie die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) mitteilte. Das ist ein weiterer Höchststand seit Beginn des derzeitigen Anstiegs Mitte März.

Auslastung der Intensivstationen in Berlin überschreitet 25 Prozent

Derzeit geben laut DIVI weniger als 400 von 1333 Intensivstationen einen regulären Betrieb an, das bedeutet etwa, keine Operationen zu verschieben oder keine Patienten auf andere Stationen verlegen zu müssen. „Das entspricht heute schon wieder der Betriebssituation wie auf dem absoluten Hochpunkt der zweiten Welle – und wir sind noch lange nicht auf dem der dritten angekommen, die für die Intensivstationen noch mindestens zwei Wochen rollen wird“, sagte der wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis.

„Wir haben deutlich weniger betriebsbereite Betten als noch vor einem Jahr. Das liegt vor allem am Pflegekräftemangel“, erläuterte DIVI-Sprecherin Nina Meckel. „Die Intensivpflegekräfte sind nach einem Jahr kompletter Dauerbelastung psychisch und physisch am Ende.“ Auf den Stationen kämen zudem noch Operationen hinzu, die zuvor verschoben worden seien.

Auch die Berliner Charité betrachtet die Entwicklungen mit großer Sorge. „Wenn die Anzahl schwer kranker Covid-Patienten die zweite Welle übertrifft, kommen wir in eine kritische Situation“, sagte Martin Kreis, Vorstand für die Krankenversorgung in Deutschlands größter Uniklinik. Die Zahl der Neuzugänge auf den Intensivstationen der Charité sei in den vergangenen beiden Wochen deutlich gestiegen. Besonders betroffen sei nun die Altersgruppe zwischen 30 und 60, die bislang wenig Chancen auf Impfungen hatte. In Berlin hat die Auslastung der Intensivstationen die kritische Marke von 25 Prozent überschritten. Das Warnsystem des Senats, die Corona-Ampel, steht damit nun zum wiederholten Mal bei zwei von drei Indikatoren auf Rot.

Enge Verbindung zwischen Thrombosen und Impfstoff von Astrazeneca

Im zeitlichen Zusammenhang der Impfung mit dem Produkt von Astrazeneca meldete das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) am Freitagabend 42 Verdachtsfälle einer Sinusvenenthrombose. In 23 Fällen sei zusätzlich eine Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) gemeldet worden. Mit Ausnahme von sieben Fällen seien Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren betroffen gewesen. Allerdings seien Frauen auch häufiger als Männer mit dem Produkt geimpft worden. Acht Betroffene starben laut PEI, fünf Frauen und drei Männer. Für Frauen zwischen 20 und 59 Jahren seien deutlich mehr Fälle beobachtet worden, als erwartbar gewesen sei. Inzwischen wird der Impfstoff in Deutschland in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahren verwendet.

Nach Aussagen des Greifswalder Forschers Andreas Greinacher gibt es Belege, dass bei einigen Menschen eine enge Verbindung zwischen dem Impfstoff und diesen Thrombosen besteht. Er macht bestimmte Antikörper dafür verantwortlich. Trotz der seltenen Komplikationen warb er für Impfungen: „Sie nicht zu impfen, wird für viel, viel mehr Menschen das Risiko ernster Komplikationen mit sich bringen, als sie zu impfen.“ Die Geimpften sollten laut PEI etwa bei Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Beinschwellungen oder anhaltenden Bauchschmerzen sofort zum Arzt gehen. Das gelte auch bei schweren oder anhaltenden Kopfschmerzen, verschwommenem Sehen oder punktförmigen Hautblutungen.