Ein Demonstrant in Minsk stellt sich den Wasserwerfern entgegen.
Foto: AP

Minsk/BrüsselMehr als 100.000 Menschen haben bei der achten großen Sonntagsdemonstration in Belarus (Weißrussland) gegen Machthaber Alexander Lukaschenko protestiert. Der Zustrom unerschrockener Menschen bei den größten und längsten Protesten in der Geschichte des Landes sei ungebrochen, hieß es am Sonntag in Minsk.

Lukaschenkos Machtapparat setzte einmal mehr auch die Armee und Panzerfahrzeuge ein, um die Menschen abzuschrecken. Uniformierte in Sturmhauben und ohne Erkennungszeichen gingen erneut brutal gegen die friedlichen Demonstranten bei der nicht genehmigten Kundgebung vor.

Die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja hatte aus ihrem Exil zu den Massenprotesten aufgerufen. Trotz des beispiellosen Drucks mit Festnahmen und starkem Aufgebot an Einsatzkräften gelinge es dem Machtapparat nicht, den Freiheitsdrang der Menschen zu brechen. Zugleich beklagte sie, dass es ein weiteres „Opfer des Regimes“ Lukaschenko gebe.

Im Gefängnis starb, wie die Behörden bestätigten, ein 41-jähriger Mann. Nach offiziellen Angaben war er aus einem Doppelstockbett gefallen und hatte sich dabei tödliche Verletzungen zugezogen. Dagegen warf Tichanowskaja den Behörden „Lügen“ vor. Ärzte hätten eine eingeschlagene Schädeldecke festgestellt, sagte sie.