Rom - Auf Sizilien ist am Mittwoch nach Angaben der regionalen Behörden mit 48,8 Grad Celsius ein neuer Hitzerekord für Italien und sogar für ganz Europa gemessen worden. In Griechenland wüten weiterhin Waldbrände. Auf der Insel Euböa erzielte die Feuerwehr erste Erfolge, auf der Halbinsel Peloponnes musste der Einsatz allerdings ausgeweitet werden. Auch Tunesien und Algerien leiden unter der Hitzewelle.

Wie die Behörden auf Sizilien mitteilten, kletterte das Thermometer in der Nähe von Syrakus auf 48,8 Grad. Dieser Rekordwert für Italien und ganz Europa muss allerdings noch vom italienischen Wetterdienst überprüft werden. Der bisherige italienische Hitzerekord von 48,5 Grad wurde 1999 ebenfalls auf Sizilien gemessen. Der bisherige europäische Rekord von 48 Grad wurde 1977 in Griechenland aufgestellt. Wegen der Wetterlage erklärte die lokale Regierung auf Sizilien für sechs Monate den Notstand.

Drei Tote durch Feuer auf Euböa

Das die Hitzewelle verursachende Hoch Lucifer soll in den kommenden Tagen nordwärts ziehen und am Wochenende der Toskana und der Region Latium im Zentrum Italiens Temperaturen um die 40 Grad bringen. Für die Feuerwehr in Kalabrien und auf Sizilien sind die hohen Temperaturen angesichts weiter wütender Waldbrände äußerst schlechte Nachrichten.

Auch in Griechenland wüteten weiter schwere Waldbrände. Innerhalb von zwei Wochen verbrannten laut einer Statistik der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage offizieller Angaben fast 100.000 Hektar Wald- und Ackerfläche. Auf der besonders betroffenen Insel Euböa keimte allerdings leichte Hoffnung auf: „Ich denke, wir können sagen, dass die Feuerfronten langsam unter Kontrolle gebracht werden“, sagte der Bürgermeister der Stadt Istiea, Giannis Kontzias, dem staatlichen Fernsehsender ERT. „Gestern haben wir zum ersten Mal seit Tagen das Sonnenlicht gesehen“, fügte er in Anspielung auf die riesigen Rauchschwaden über Euböa hinzu. Das Feuer war bereits neun Tage zuvor ausgebrochen. Fast 900 Feuerwehrleute, darunter auch Einsatzkräfte aus dem Ausland, sind vor Ort im Einsatz.

Durch die Feuer auf Euböa und in anderen Teilen des Landes starben bereits drei Menschen, Hunderte weitere verloren ihr Zuhause. Außerdem brach ein Teil der für Griechenland so wichtigen Einnahmen durch Tourismus und Landwirtschaft weg. Den örtlichen Betrieben drohe die „Ausrottung“, warnte Kontzias. Zu den Brandkatastrophen beigetragen hat die schwerste Hitzewelle in Griechenland seit Jahrzehnten, welche die Behörden auf den Klimawandel zurückführen.

Zahl der Toten bei Bränden in Algerien steigt auf 69

In der Bergregion Gortynia auf der Halbinsel Peloponnes konzentrierte sich die Feuerwehr am Mittwoch darauf, das Feuer vom dicht bewaldeten Berg Mainalo fernzuhalten. „Dörfer scheinen im Moment nicht in Gefahr zu sein (...), aber die Bedingungen ändern sich stündlich“, sagte der Vize-Gouverneur für die auch Gortynia umfassende Region Arkadien, Christos Lambropoulos.

Die Feuerwehr in Gortynia bekam am Mittwoch Verstärkung von zahlreichen Einsatzkräften aus dem Ausland, darunter Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Tschechien. Nach Angaben des Deutschen Feuerwehrverbands wurden 168 Einsatzkräfte aus Hessen und 56 weitere aus Nordrhein-Westfalen entsandt.

Im Norden Algeriens kämpften Feuerwehr und Armee am Mittwoch gegen unzählige Waldbrände, zumeist in der Kabylei, einer stark bewaldeten Bergregion östlich der Hauptstadt Algier. Allein an einem Tag seien 50 neue Brände ausgebrochen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur APS, die Zahl der Todesopfer stieg demnach auf 69. Unter den Toten waren mindestens 28 Soldaten, die zur Unterstützung der Feuerwehr vor Ort waren.