49-Euro-Ticket könnte doch erst im April starten

Anfang des Monats einigten sich Bund und Länder auf das bundesweite Nahverkehrs-Abo. Doch vor dem Start des neuen „Deutschlandtickets“ sind viele Fragen offen.

Bis zur Einführung des 49-Euro-Tickets könnte es laut EVG noch bis Anfang April dauern.
Bis zur Einführung des 49-Euro-Tickets könnte es laut EVG noch bis Anfang April dauern.dpa/Christoph Soeder

Der genaue Starttermin des geplanten 49-Euro-Nahverkehrstickets ist weiter offen. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) geht inzwischen von einer Einführung im Frühling aus. „Realistisch erscheint (...) eine Einführung des Deutschlandtickets zum 1. April, weil einige Fragen der Umsetzung noch ungeklärt sind“, sagte EVG-Chef Martin Burkert dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Samstag. Nötig sei nun eine Ansage des Bundesverkehrsministeriums. „Der Bund muss ein sicheres Startdatum für das Deutschlandticket nennen und den Ländern eine Kostenevaluation anbieten.“

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte als Ziel für die Einführung des neuen Tickets Anfang 2023 genannt. Ein Starttermin bereits im Januar gilt aber zunehmend als unwahrscheinlich. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen hält einen Start des Deutschlandtickets bereits Anfang März für realistisch.

Wird die Maskenpflicht zum Start des „Deutschlandtickets“ abgeschafft?

Für eine Sonderkonferenz der Verkehrsminister von Bund und Ländern am Dienstag hat Bremen als Vorsitzland den Antrag eingereicht, die Maskenpflicht im ÖPNV bundesweit zur Einführung des vorgesehenen „Deutschlandtickets“ Anfang März abzuschaffen – falls die Pandemielage dies zulässt. Angestrebt wird ein einheitliches Vorgehen der Länder.

Das neue Ticket als Nachfolgemodell des 9-Euro-Tickets aus dem Sommer kostet drei Milliarden Euro. Bund und Länder finanzieren das jeweils zur Hälfte. Burkert sagte nun, der Bund sollte bereit sein, falls nötig mehr Geld als die vorgesehenen 1,5 Milliarden Euro für das Ticket bereitzustellen. „Spätestens sechs Monate nach Start des Deutschlandtickets muss der Bund die bisher entstandenen Kosten mit den Ländern evaluieren und gegebenenfalls Gelder nachschießen“, betonte der EVG-Vorsitzende.

Deutsche Bahn: Infrastruktur deutlich überlastet

Die Deutsche Bahn betonte, sollte die Nachfrage im Regionalverkehr durch das 49-Euro-Ticket steigen, gebe es kaum Spielraum für ein größeres Angebot. „Im Regionalverkehr rund um die großen Knotenbahnhöfe gibt es keinen Platz für zusätzliche Züge“, sagte der für die Infrastruktur verantwortliche Bahn-Vorstand Berthold Huber der Welt am Sonntag. Man könne aus einem Halbstunden- keinen Viertelstundentakt mehr machen. „Die Infrastruktur verzeiht lange, aber jetzt ist der Punkt erreicht, wo es nicht mehr geht und die Lage zu kippen droht.“

Oberste Priorität müssten die Sanierung und Kapazitätserweiterung des überalterten Netzes haben, dessen Störanfälligkeit immer größer werde. „Die Pünktlichkeit ist dieses Jahr inakzeptabel, und die Infrastruktur verursacht einen großen Teil dieses Problems“, betonte Huber. Der Sanierungsstau betrage 50 Milliarden Euro. „Es gibt das Problem, dass wir zu wenig Netz für zu viel Verkehr haben.“ Deshalb würden 2023 deutlich mehr Mittel eingeplant als der Bundeshaushalt vorsieht, auch wenn dieser Betrag das wirtschaftliche Ergebnis der Deutschen Bahn belaste, sagte der Bahn-Vorstand. Weniger Instandhaltung, weil das Geld fehle, sei keine Option mehr.