56.000 Galaxien auf einen Blick: Bislang größte Karte des Universums erstellt

Mithilfe von neuen Methoden haben Forschende eine beeindruckende Karte des Weltalls gebastelt. Ihre Erkenntnisse stellen die Wissenschaft vor ein Rätsel.

Seitdem von der Milchstraße getrennte Galaxien vor hundert Jahren identifiziert wurden, versuchen Astronomen laut Forschungsleiter Brent Tully ihre Entfernungen zu messen.
Seitdem von der Milchstraße getrennte Galaxien vor hundert Jahren identifiziert wurden, versuchen Astronomen laut Forschungsleiter Brent Tully ihre Entfernungen zu messen.imago

Forscherinnnen und Forscher der University of Hawaii haben in einem aufwendigen Projekt die bislang größte Karte des Universums erstellt. Mit acht verschiedenen Methoden haben sie die Entfernungen zu sage und schreibe 56.000 Galaxien gemessen. Ihre Studie wurde in der Zeitschrift Astrophysical Journal veröffentlicht.

Die Karte nennen die Forschenden „Cosmicflows-4“. Ihr liegen Messungen der Entfernungen von Galaxien, gepaart mit Informationen über ihre Geschwindigkeiten zugrunde. Diese geben Aufschluss über das Ausmaß des Universums und die Zeit, die seit seiner Entstehung vergangen ist.

Studie ergibt eine neue Expansionsrate des Universums

Forschungsleiter Brent Tully sagt laut einer Mitteilung der Universität: „Seit Galaxien vor hundert Jahren als von der Milchstraße getrennt identifiziert wurden, versuchen Astronomen, ihre Entfernungen zu messen.“ Durch die Kombination von genaueren und zahlreichen Werkzeugen sei sein Team nun in der Lage gewesen, die Entfernungen von Galaxien und die damit verbundene Expansionsrate des Universums mit einer Genauigkeit von wenigen Prozent zu messen.

Die Studie ergab eine Expansionsrate von H0 = 75 Kilometer pro Sekunde pro Megaparsec (1 Megaparsec = 3,26 Millionen Lichtjahre). Diese Zahlen schließen eine sehr geringe statistische Unsicherheit von etwa 1,5 Prozent ein. Die Expansionsrate wird auch Hubble-Konstante genannt.

Bislang ging die Physik der Evolution des Universums basierend auf dem Standardmodell der Kosmologie von einer Hubble-Konstante von H0=67,5 km/s/Mpc mit einer Unsicherheit von 1 km/s/Mpc aus. Die US-Forscher vermuten in ihrer Mitteilung: „Entweder gibt es ein grundlegendes Problem mit unserem Verständnis der Physik des Kosmos, oder es gibt einen versteckten systematischen Fehler bei der Messung von Galaxienentfernungen.“

So sieht die Weltraumkarte aus: