Berlin - Die Berliner Polizei und andere Behörden setzen ihr gezieltes Vorgehen gegen die sogenannte Clankriminalität auch in diesem Jahr fort. Bis Ende April habe die Polizei 62 größere Kontrolleinsätze gemacht, davon 27 zusammen mit anderen Behörden wie den Bezirken, dem Finanzamt oder der Gewerbeaufsicht. Das teilte die Senatsinnenverwaltung am Mittwoch mit. Im Visier hat die Polizei bei diesen Einsätzen meist bestimmte Shishabars, Glücksspielhallen und Restaurants, in denen kriminelle Mitglieder arabischstämmiger Clans verkehren.

Innensenatorin Iris Spranger (SPD) teilte mit, Nordrhein-Westfalen habe bei der Innenministerkonferenz (IMK) einen Bericht zur Bekämpfung der Clankriminalität vorgestellt. Berlin setze das schon länger um. „Wir werden weiterhin mit hohem Kontrolldruck und der konsequenten Ahndung selbst geringer Verstöße die Bekämpfung der Clankriminalität fortführen.“

Berlin gilt ebenso wie das Ruhrgebiet und Bremen als Hotspot krimineller Aktivitäten von Clanmitgliedern. Im vergangenen Jahr gab es 178 große Kontrolleinsätze in 572 Objekten. Die Polizei beschlagnahmte 68 Waffen, 238 Kilogramm Wasserpfeifentabak, 53 Geldspielgeräte, 100.000 Euro und 55 Fahrzeuge.

295 mutmaßliche Täter, meist junge Männer, und 849 Straftaten wurden im Lagebericht der Clanszene zugeordnet. Vor allem ging es um Drogenhandel, Gewalttaten, Überfälle, Diebstähle, Betrug und Verkehrsdelikte. 2018 hatte der Senat einen Fünf-Punkte-Plan gegen Clankriminalität beschlossen, seitdem geht er verstärkt gegen Verdächtige aus bestimmten arabischstämmigen Großfamilien vor.

Wie schweigsam und abgeschottet die Szene sich gegenüber der Polizei verhält, zeigt auch der tödliche Messerangriff auf ein Clanmitglied vor einem Monat in Neukölln und die bislang vergeblich Suche nach dem Täter. Das Opfer, ein 25 Jahre alter Mehrfachtäter, war am 30. April bei einem Streit zweier Gruppen auf einem Jahrmarkt im Park Hasenheide erstochen worden. Zahlreiche Zeugen waren dabei, bisher meldete die Polizei aber keine Festnahme. Zu der Beerdigung im Mai kamen 1000 Männer, unter ihnen auch Mitglieder und Oberhäupter bekannter Großfamilien. Schon der Bruder des Opfers war 2018 tagsüber vor den Augen seiner Familie erschossen worden, auch hier konnte die Polizei keinen Täter verhaften.