Berlin - Nach einer brutalen Attacke gegen einen 87 Jahre alten Passanten ist ein 50-Jähriger zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Das Opfer habe durch Schläge in das Gesicht sein Augenlicht und dadurch auch seine Selbstständigkeit verloren, begründete das Berliner Landgericht am Donnerstag. Der Angeklagte wurde der schweren Körperverletzung schuldig gesprochen. Das Gericht ordnete wegen der Alkoholprobleme des Mannes seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

Der 50-Jährige habe sich im November 2020 in einer Tordurchfahrt in Berlin-Wedding unvermittelt entschlossen, den ihm fremden Senior zu attackieren, so das Gericht. Der gelernte Maler war wegen versuchten Raubes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Er soll den Rentner am 28. November gefolgt sein und Geld von ihm gefordert haben. Es sei zu mindestens zwei Schlägen „zielgerichtet in den Bereich der Augen“ gekommen. Der damals 87-Jährige habe schwere Augenverletzungen erlitten. Trotz Operationen habe er sein Sehvermögen auf dem linken Auge komplett verloren. Rechts betrage die Sehkraft nur noch 0,05 Prozent.

Der pensionierte Polizist ist nun ein Pflegefall 

Einer der beiden Söhne des pensionierten Polizisten hatte im Prozess erklärt, sein Vater habe bis zu dem Überfall ein selbstbestimmtes Leben in seiner eigenen Wohnung geführt und sei ohne Hilfe ausgekommen. Nun lebe der inzwischen 88-Jährige in einer Pflegeeinrichtung. „Er kann sich nicht mehr allein versorgen.“

Der nicht vorbestrafte Angeklagte hatte erklärt, er sei stark betrunken gewesen und könne sich an das Geschehen und an den geschlagenen Mann kaum erinnern. Er bitte um Vergebung. Seit längerer Zeit habe er verstärkt Alkohol konsumiert.

Das Gericht ging davon aus, dass die Steuerungsfähigkeit des 50-Jährige bei der Tat wegen des Alkohols erheblich vermindert war. Seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt sei erforderlich, weil unter Einfluss von Alkohol weitere Straftaten zu befürchten seien. Der Staatsanwalt hatte dreieinhalb Jahre Haft gefordert. Der Verteidiger hatte keinen konkreten Antrag gestellt.