Der Badeort Hurghada in Ägypten.
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Kairo/TunisNach der teilweisen Aufhebung der Reisewarnung für die Türkei verlangen nun auch Ägypten und Tunesien von der Bundesregierung eine solche Entscheidung für ihre Urlaubsgebiete. Der ägyptische Botschafter in Berlin, Khaled Galal Abdelhamid, begründete die Forderung in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit sinkenden Corona-Infektionszahlen in seinem Land und weit reichenden Sicherheitsvorkehrungen für Touristen. „Es ist sehr frustrierend, dass ich keine Antwort darauf bekomme, warum die Reisewarnung nicht aufgehoben wird“, sagte er.

Ägypten ist das zweitbeliebteste Urlaubsland der Deutschen außerhalb der EU. Botschafter Abdelhamid versteht nicht, warum sein Land anders behandelt wird als die Türkei. „Wir bitten nicht um einen Gefallen. Was wir sagen, ist: Schaut euch die Lage an und trefft eine rationale und angemessene Entscheidung. Alles deutet darauf hin, dass die Reisewarnung nicht gerechtfertigt ist“, sagte er.

Ägypten nennt drei Regionen als „sichere Zonen“ für Touristen

Die ägyptische Regierung habe drei Regionen als „sichere Zonen“ für deutsche Touristen ausgewiesen: Matruh am Mittelmeer, Hurghada am Roten Meer und Scharm El-Scheich auf der Sinai-Halbinsel. „Wir haben null Infektionen in diesen Gebieten“, so der Botschafter.

Für Ägypten sind die Deutschen die wichtigste Urlaubergruppe aus der EU. Im vergangenen Jahr sind laut Abdelhamid 1,8 Million Deutsche nach Ägypten gekommen. „Das ist sehr wichtig für uns, weil der Tourismus 12 Prozent unserer Wirtschaftsleistung ausmacht.“

RKI führt Tunesien nicht mehr als Risikogebiet

Der Geschäftsträger der tunesischen Botschaft in Berlin, Chiheb Chaouch, begründete die Forderung am Dienstag mit der „ausgezeichneten Bilanz“ seines Landes bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie. „Wir hoffen daher, dass das Auswärtige Amt auch Tunesien in eine Liste von Ländern außerhalb der Europäischen Union und des Schengen-Raums einordnet, die ein sicheres Ziel für die deutschen Reisenden sind“, sagte er auf Anfrage der dpa. „In Tunesien gibt es keine spezifischen Regionen, in denen die Krankheit verbreitet ist. Tunesien gilt daher als ein sicheres Reiseland“, so Chaouch. Er verwies auf zahlreiche Maßnahmen, die von der tunesischen Regierung für die Sicherheit von Touristen ergriffen worden seien.

Anders als die Türkei und Ägypten wird Tunesien vom Robert-Koch-Institut auch nicht mehr als Risikogebiet geführt. Rückkehrer aus solchen Ländern müssen sich von diesem Sonnabend an auf Corona testen lassen.

Eine Reisewarnung ist zwar kein Reiseverbot, soll aber die größtmögliche abschreckende Wirkung haben. Auf der anderen Seite bietet sie Touristen die Möglichkeit, Reisen kostenlos zu stornieren. Während die Mitte März wegen der Corona-Pandemie ausgesprochene weltweite Warnung für Urlauber im Juni für mehr als 30 europäische Länder aufgehoben wurde, galt sie bisher für alle Regionen außerhalb Europas weiter. Am Dienstag hat sich das mit der Aufhebung für vier der beliebtesten türkischen Urlaubsregionen – Antalya, Izmir, Aydin und Mugla – schlagartig ändert.

In der Türkei müssen Urlauber, die nach Deutschland zurückkehren, nun in den 48 Stunden vor ihrer Ausreise einen Corona-Test machen und dafür 15 bis 30 Euro bezahlen. Abdelhamid sagte, auch Ägypten wäre zu einer solchen Regelung bereit. „Wir haben das vom ersten Tag an angeboten“, sagte er. Die Tests wären in Ägypten sogar günstiger als in der Türkei.