Berlin - Nach Einschätzung des Aerosol-Experten Gerhard Scheuch ist Deutschland in Sachen Masken tragen noch ein „Entwicklungsland“. Das Mitglied der Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) sagte am Mittwoch, Mund-Nasen-Masken würden heute durch die Frage charakterisiert, wie gut ihr Material Viren zurückhalten könne. Das sei aber nur ein Parameter – wichtig sei auch der richtige Sitz. Nicht jede Maske passe jedem. „Weil jedes Gesicht ist ein bisschen anders und Kinder haben kleinere Gesichter als wir Erwachsene. Da kann man nicht einfach so einem kleinen Kind so eine FFP2-Maske für einen Erwachsenen aufs Gesicht drücken. Dann ist das Ganze undicht“, sagte Scheuch bei einer digitalen Podiumsdiskussion.

Deutschland sei zu Anfang der Corona-Pandemie noch nicht daran gewöhnt gewesen, mit Masken zu leben. In ostasiatischen Ländern etwa sei das ganz anders. „Da sind wir halt etwas rückständig“, sagte Scheuch. „Deswegen sind wir da sicherlich Entwicklungsland. Und wir haben da Fehler gemacht.“ Aus seiner Sicht sei es etwa auch problematisch, die FFP2-Masken so zu propagieren, wie es geschehen sei. Man müsse auch Hinweise geben, wie man sie richtig nutze. „Das ist ganz wichtig, dass man eben diese Masken richtig benutzt und nicht nur einfach die Masken ausgibt und den Leuten dann sagt: So, jetzt sieh mal zu, wie du damit zurechtkommst.“

Aerosole: Ansteckung ohne Begegnung 

Bei der Podiumsdiskussion wurde die Corona-Pandemie mit Blick auf Aerosole diskutiert. Sie entstehen beim Husten, Niesen, Sprechen und sind ein Gemisch aus festen und flüssigen Schwebeteilchen. Gegen die virenhaltigen Tröpfchen in der Luft sollen Masken helfen.

Scheuch betonte, wie tückisch Aerosole seien. „Man kann sich auch anstecken, wenn man sich gar nicht begegnet. Das ist ja das Teuflische bei dieser Aerosol-Infektion“, sagt er. „Ich gehe auf eine Toilette, da saß vielleicht eine halbe Stunde vorher jemand drauf, und der hat seine Viren dort aber in der Luft hinterlassen.“ Man selbst fühle sich zugleich vielleicht völlig sicher, weil man ja ganz alleine sei. „Und dann atme ich die doch trotzdem ein.“ Daher sei das Lüften an viel frequentierten Orten so wichtig, sagte Scheuch. Etwa auch in Fahrstühlen und Aufenthaltsräumen.