Berlin -  Nach der Freigabe des Impfstoffs von Astrazeneca in Berlin hält es die Ärztekammer der Hauptstadt für wenig wahrscheinlich, dass in Berlin in großer Zahl auch Brandenburger damit geimpft werden. „Theoretisch könnten sich auch Brandenburgerinnen und Brandenburger in Berliner Arztpraxen melden“, sagte Kammervorstand Peter Bobbert am Freitag im RBB-Inforadio. „Aber die Wahrscheinlichkeit, da auch entsprechend dranzukommen, schätze ich als sehr gering ein.“ Er erwarte auch kein „Hauen und Stechen“ in den Praxen um den Impfstoff.

Die Berliner Gesundheitsverwaltung hatte den Impfstoff von Astrazeneca am Donnerstag grundsätzlich für alle Altersgruppen freigegeben. Die Praxen müssen sich nicht mehr an die Priorisierung nach der Impfverordnung des Bundes halten.

Bei Astrazeneca sei es in den letzten Wochen schwieriger als bei anderen Impfstoffen gewesen, Impfwillige zu finden, sagte Bobbert. „Deswegen ist es richtig, jetzt die Impfpriorisierung für Astrazeneca aufzuheben.“ Die Kassenärztliche Vereinigung hatte angekündigt, in einigen Tagen auf ihrer Website eine Übersicht der Praxen zu veröffentlichen, die Astrazeneca nutzen und vorhandene Dosen noch nicht verplant haben.

Ärztekammerchef Bobbert: Keine Dosen mehr für Zweitimpfungen zurücklegen

Der Impfstoff reiche noch nicht, um jeden, der möchte, sofort zu impfen, sagte Bobbert. Wer geimpft werde, sei nun in den Praxen zu entscheiden. „Und da wird natürlich dann immer ganz genau geschaut, wer ist insbesondere bedürftig, wer braucht diesen Impfstoff ganz besonders. Das machen wir ja jährlich auch schon bei den Influenza-Impfungen.“

Der Mediziner sprach sich dafür aus, nun alle vorhandenen Dosen zu verabreichen und keine mehr für die Zweitimpfungen zurückzulegen. Es seien so viele Impfstofflieferungen angekündigt, dass die Gefahr nur noch sehr gering sei, dass es für die Zweitimpfung nicht reiche. „Wir befinden uns in einer sehr kritischen Phase der Pandemie, und jede Impfung ist eine richtige.“