BerlinDer Präsident der Berliner Ärztekammer, Günther Jonitz, sieht die Pflegekräfte in der Corona-Pandemie bereits am Limit. Das zeige sich indirekt daran, dass die Charité händeringend nach Pflegern suche, sagte er im RBB-Inforadio.

„Wir gehen momentan auf sehr, sehr dünnem Eis, noch geht es, aber es darf nichts dazukommen“, so Jonitz. Er wies darauf hin, dass wegen des Personalmangels planbare Eingriffe verschoben würden. „Alleine die Diskussion – was kann ich aufschieben – war in Deutschland in früheren Jahren ein Tabuthema, das zeigt, wie ernst die Lage ist“, sagte Jonitz.

Jonitz: Kliniken wurden Betriebe

Der Kammerpräsident forderte von der Politik längerfristige Lösungen und mehr Pflegepersonal: „Wir erkennen jetzt unter Covid-19, wie unter einem Brennglas, die Grundfehler und -probleme der Gesundheitspolitik der letzten Jahre.“ Er kritisierte, dass Politik und Krankenkassen Krankenhäuser in Betriebe umgewandelt hätten. Aus diesem Grund habe es in den vergangenen Jahren immer mehr Patienten und immer weniger Pflegepersonal gegeben.

„Aus dem Gesundheitswesen ist Gesundheitswirtschaft geworden. Das heißt, die Krankenhäuser verdienen nur Geld, wenn sie möglichst viele Patienten in möglichst kurzer Zeit wie am Fließband abfertigen“, sagte Jonitz weiter. Er rechne damit, dass der momentane Teil-Lockdown die angespannte Lage in den Kliniken entspanne, wenn die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden.