Der Blaue Nil fließt in der Nähe des künftig größten Staudamms Afrikas bei Assosa in Äthiopien.
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Addis AbebaBei der Beerdigung des in Äthiopien bekannten Sängers Hachalu Hundessa haben Soldaten auf die Trauernden geschossen und dabei zwei Menschen getötet. Sieben weitere seien verwundet worden, berichtet AFP unter Berufung auf Mediziner- und Oppositionskreise. Hunderte Menschen hatten an der Beisetzung Hundessas teilgenommen. Er war Montagabend in der Hauptstadt Addis Abeba erschossen worden war. Der Hintergrund des Mordes an war zunächst unklar. Nach Polizeiangaben wurden „einige“ Verdächtige festgenommen. Sein Tod löste landesweit Proteste aus, bei denen seit Wochenbeginn mindestens 90 Menschen getötet wurden.

Äthiopiens Ministerpräsident, der Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed, sagte am Mittwochabend, die Verantwortlichen für Hachalus Tod wollten seine Reformen aufhalten und „Äthiopien töten“. Das Volk könne nun wählen, ob es in diese „Falle tappe“ oder ob es beim Reformkurs bleibe. Abiy Ahmed gehört wie Hachalu Hundessa den Oromo an, Äthiopiens größter Volksgruppe. 

Vor dem Begräbnis in Hachalus Heimatstadt Ambo hatte es Forderungen von Oromo-Vertretern gegeben, den Sänger in der Hauptstadt Addis Abeba beizusetzen. Historisch gesehen war Addis Abeba ein Zentrum der Oromo-Kultur. Vertreter der Volksgruppe beklagen jedoch, von dort vertrieben worden zu sein.

Für zusätzlichen Protest sorgten zuletzt die Festnahmen der Oppositionspolitiker Jawar Mohammed und Bekele Gerba. Der einstige Medienmogul Jawar gehört ebenfalls der Volksgruppe der Oromo an und war nach Polizeiangaben am Dienstagabend zusammen mit 34 weiteren Menschen festgenommen worden, die versucht hatten, Hachalus Leichnam abzufangen und in die Hauptstadt zu bringen.