Lymington/Berlin - Die Verhaltensforscherin Jane Goodall ist der Meinung, die Menschheit sei selbst schuld am Ausbruch des Coronavirus. Die Natur würde sich nur zur Wehr setzen, nachdem die Menschen jahrzehntelangen Raubbau an der Erde betrieben hätten, sagte die Britin bei einer Online-Veranstaltung der Tierschutzorganisation „Compassion in World Farming“.

Die 87-jährige Wissenschaftlerin, die seit den 60er Jahren das Verhalten von Schimpansen untersuchte, sagte: „Wir haben uns das selbst eingebrockt, weil wir absolut respektlos gegenüber Tieren und der Umwelt sind.“ Goodall geht davon aus, dass die Respektlosigkeit gegenüber Wild- und Nutztieren dazu geführt habe, dass Krankheiten von Tieren auf den Menschen übertragen werden – so auch das Coronavirus. 

Goodall: „Wir können nicht mehr lange so weitermachen“

Diese Krankheiten würden laut Goodall vor allem durch die flächenraubende Agrarwirtschaft und Massentierhaltung entstehen. Zudem würde die Ausbeutung des Planeten dazu führen, dass sich das Klima rasend schnell verändert. „Wenn wir die Dinge nicht anders machen, sind wir am Ende. Wir können nicht mehr lange so weitermachen“, so die Affen-Forscherin. 

Goodall betonte, dass es der beste Weg sei, die Umwelt zu schützen, in dem die Armut bekämpft werde. In vielen ländlichen Regionen armer Länder müssten die Menschen häufig Wälder roden und in Städten auf billige aber klimaschädliche Lebensmittel zurückgreifen, um zu überleben.

Die Forscherin nimmt insbesondere die Reichen und Mächtigen in die Pflicht, Druck auf die Regierungen auszuüben. Außerdem sollten sie mit gutem Beispiel vorangehen und nur noch naturfreundliche Produkte herstellen und verkaufen. Ihr Appell an die Industrie: Die Massentierhaltung muss schnellstmöglich abgeschafft werden. 

Weg von der Massentierhaltung, hin zur pflanzlichen Ernährung

„Eine der Lektionen, die wir aus dieser Krise gelernt haben, ist, dass wir unseren Weg ändern müssen. Wissenschaftler warnen, dass wir, um zukünftige Krisen zu vermeiden, unsere Ernährung drastisch ändern und auf pflanzenreiche Lebensmittel umsteigen müssen. Zum Wohle der Tiere, des Planeten und der Gesundheit unserer Kinder.“

Goodall ist neben Dian Fossey (Gorillas) und Birutė Galdikas (Orang-Utans) eine von drei Frauen, die Anfang der 1960er-Jahre mit den Langzeituntersuchungen über die Verhaltensweisen von Menschenaffen begannen. Leakey und die drei Forscherinnen haben so Rückschlüsse auf die Evolution des Verhaltens des Menschen gezogen.