Die Affenpocken breiten sich in Deutschland und der Welt weiter aus. Am Dienstag wurden neue Fälle sowohl in der Bundesrepublik als auch in anderen Ländern gemeldet.

Hessen meldete am Dienstagabend die erste Affenpocken-Infektion in dem Bundesland. Das Ergebnis sei vom Institut für medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt bestätigt worden, teilte das Sozialministerium in Wiesbaden mit. Die infizierte Person sei mit entsprechenden Symptomen in die Uniklinik gekommen. Alter und Geschlecht des oder der Betroffenen waren zunächst nicht zu erfahren.

Auch in Nordrhein-Westfalen sind nach kommunalen Angaben erste Fälle einer Affenpocken-Infektion bestätigt worden. In Köln gibt es nach Auskunft der Stadt mehrere nachgewiesene Infektionen. „Wir haben jetzt drei bestätigte Fälle und einen Verdachtsfall, wo das Testergebnis noch aussteht“, sagte eine Stadt-Sprecherin am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Unter den drei bestätigten Affenpocken-Fällen sei auch jener, der am Vortag als erster Verdachtsfall in Nordrhein-Westfalen bekannt geworden sei. Alle vier Menschen befänden sich zu Hause in Quarantäne.

Der erste nachgewiesene Fall in Deutschland überhaupt war in der vergangenen Woche aus Bayern gemeldet worden. Mehrere weitere Bundesländer meldeten Anfang der Woche Nachweise der Infektionen, darunter Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Berlin. In der Hauptstadt gibt es bislang drei bestätigte Affenpocken-Fälle.

Erste Affenpocken-Fälle in Österreich, Tschechien und Slowenien bestätigt

In Österreich, Tschechien und Slowenien wurden am Dienstag erste Affenpocken-Fälle festgestellt. In Österreich wurde das Virus nach Angaben der Wiener Gesundheitsbehörden bei einem Mann bestätigt, der am Sonntag mit Fieber und anderen Symptomen einer Affenpocken-Infektion in ein Krankenhaus in Wien eingeliefert worden war.

In Tschechien wurde das Virus bei einem Patienten im militärischen Universitätskrankenhaus in Prag nachgewiesen. Nach Angaben des Tschechischen Instituts für öffentliche Gesundheit hatte der Mann Symptome entwickelt, nachdem er Anfang Mai von einem Festival in Antwerpen in Belgien zurückgekehrt war. In Slowenien wurden die Affenpocken nach Angaben der Gesundheitsbehörden bei einem Mann festgestellt, der zuvor auf den Kanarischen Inseln war.

In Großbritannien wurden beim aktuellen Ausbruch bislang 71 Fälle von Affenpocken registriert. In den vergangenen Tagen hatten zudem Schweden, Italien, Spanien, Kanada und die USA Infektionen mit Affenpocken gemeldet.

Affenpocken erreichen Arabische Welt: Erster Nachweis in den Emiraten

Auch in der arabischen Welt ist ein erster Fall von Affenpocken bestätigt worden. In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gibt es eine 29-jährige Infizierte, wie die staatliche Agentur WAM am Dienstag unter Berufung auf das Gesundheitsministerium meldete. Die Frau war demnach zuvor aus Westafrika in den Golfstaat eingereist. Sie würde medizinisch versorgt. Zu ihrem gesundheitlichen Zustand machte das Ministerium zunächst keine Angaben. Auch Marokko hatte zuvor bereits drei Verdachtsfälle gemeldet. Eine Bestätigung steht aber bislang noch aus.

WHO: Bislang rund 250 Fälle von Affenpocken in 16 Ländern

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind rund 250 Fälle von Affenpocken aus 16 Ländern gemeldet worden. Diese Zahl an bestätigten Infektionen und Verdachtsfällen betreffe jedoch nur Länder, in denen die Viruskrankheit zuvor nicht regelmäßig gehäuft aufgetreten sei, sagte WHO-Expertin Rosamund Lewis am Dienstag in Genf. „Dieser Ausbruch kann eingedämmt werden“, sagte sie.

Die meist mild verlaufende Krankheit war schon vor den derzeitigen Fällen gelegentlich in westlichen Ländern immer wieder in einigen wenigen afrikanischen Ländern aufgetreten. In der Demokratischen Republik Kongo gab es laut WHO dieses Jahr bereits 1200 Verdachtsfälle. Lewis sagte, dass nur sehr wenige davon etwa durch Laboruntersuchungen bestätigt worden seien.

Affenpocken: Mindestens 21 Tage Isolation für Infizierte in Deutschland

Deutschland will mit schneller Isolation von Infizierten die Ausbreitung der Affenpocken unter Kontrolle halten. Es müsse hart und früh reagiert werden, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Dienstag am Rande des Deutschen Ärztetags in Bremen. Er betonte: „Was wir mit den Affenpocken gerade erleben, ist nicht der Beginn einer neuen Pandemie.“ Es handele sich um einen bekannten Erreger, und man wisse, wie man ihn bekämpfen könne. Durch gute Kontaktnachverfolgung und Vorsicht könne die Situation in den Griff bekommen werden.

Das Robert Koch-Institut (RKI) empfehle eine Isolierung von Infizierten bis zum Abfall der Krusten, aber mindestens von 21 Tagen, sagte RKI-Chef Lothar Wieler. Für enge Kontakte empfehle man eine Quarantäne von 21 Tagen. Die Erkrankung geht mit Hautveränderungen einher, die verschiedene Stadien durchlaufen - letztlich verkrusten die Stellen. Die Empfehlung zu Isolation und Quarantäne wird den dafür zuständigen Ländern für die Umsetzung empfohlen, wie Lauterbach erläuterte.

Sein Institut gehe von einer Zunahme von Affenpocken-Erkrankungen in Deutschland aus, sagte Wieler. Es sei klar, dass weitere Fälle hierzulande zu erwarten seien. Von den Affenpocken erholten sich die meisten Menschen in der Regel innerhalb weniger Wochen, sagte Wieler. Dennoch könne bei einigen Personen auch eine schwere Erkrankung auftreten. Die Erreger seien nicht leicht von Mensch zu Mensch zu übertragen, nötig sei dafür enger Kontakt. Das Virus könne unabhängig von sexueller Orientierung, Geschlecht und Alter übertragen werden. Die Gefährdung für die Gesundheit der Allgemeinbevölkerung werde aber nach derzeitigen Erkenntnissen als gering eingeschätzt.