Berlin - Ein aus Deutschland abgeschobener Straftäter ist offenbar mit einem Evakuierungsflugzeug in die Bundesrepublik zurückgekehrt. Wie die Welt am Sonntag berichtet, hatte der Mann Deutschland verlassen müssen, ihm sei es jedoch im Chaos am Flughafen von Kabul gelungen, an Bord einer der Militärmaschinen zu gelangen.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sei vor Abflug der Maschine aufgrund der chaotischen Situation in Kabul ein Datenabgleich durch Fingerabdruck-Scan nicht machbar gewesen. Die Einsatzkräfte kontrollieren jedoch offenbar Ausweise und untersuchen die Ausreisewilligen auf gefährliche Gegenstände, heißt es. Zudem werde überprüft, ob die Schutzsuchenden nach Maßgaben des Auswärtigen Amts zum Mitflug berechtigt sind.  

Dass ein krimineller Afghane mit einem der derzeitigen Evakuierungsflüge zurück nach Deutschland kommt, ist womöglich kein Einzelfall. Das Bundesinnenministerium spricht von einer „niedrigen einstelligen Zahl“ von Personen, die zunächst wegen schwerer Straftaten aus der Bundesrepublik abgeschoben wurden und die inzwischen aber wieder im Land seien.

Abschiebungen aus Deutschland nach Afghanistan ausgesetzt

In Deutschland lehnen einer YouGov-Umfrage zufolge 64 Prozent der Menschen eine Abschiebung von Verfolgten oder Gefährdeten ab. Solche Rückführungsmaßnahmen sind jedoch ohnehin rechtswidrig. In den vergangenen Monaten gab es noch Abschiebungen aus Deutschland, überwiegend von männlichen Kriminellen oder Terrorgefährdern. Die Abschiebungen sind jedoch wenige Tage vor dem Fall Kabuls ausgesetzt worden.

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich in den vergangenen Monaten dramatisch verschlechtert. Am Flughafen von Kabul versuchen immer noch Tausende, mit einem Evakuierungsflugzeug das Land zu verlassen.