Ein afghanischer Sicherheitsmann hält vor dem Gefängnis seine Waffe bereit.
Foto: AP/dpa/Rahmat Gul

DschalalabadBei einem Großangriff der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf ein Gefängnis im Osten Afghanistans sind mindestens 36 Menschen getötet worden. Weitere rund 50 Menschen seien bei den stundenlangen Gefechten in Dschalalabad, der Hauptstadt der Provinz Nangarhar, verwundet worden, teilte ein Provinzsprecher am Montag mit. Unter den Opfern seien Zivilisten, Gefängnisinsassen und Sicherheitskräfte gewesen. Mindestens sieben Angreifer seien getötet worden. Bereits am Sonntagabend bekannte sich der IS zu dem Anschlag.

Die Angreifer zündeten am Sonntagabend zunächst eine Autobombe und stürmten dann das Gefängnis. Die Gefechte dauerten noch 22 Stunden später bis zum Montagnachmittag an. Der Generalstabschef der Streitkräfte, Mohammed Jasin Sia, führte die Militäroperation. Die IS-Kämpfer verschanzten sich zeitweise im Gefängnis und in nahegelegenen Gebäuden.

Unklar, wie viele Gefängnis-Insassen fliehen konnten

Wie viele Insassen nach der Angriff aus dem Gefängnis fliehen konnten, blieb zunächst unklar. Mehr als 1000 der rund 1800 Inhaftierten seien nach einem Fluchtversuch wieder festgenommen worden, sagte ein Provinzsprecher. Mehrere Hunderte Insassen in der Haftanstalt in Dschalalabad sollen Kämpfer des IS gewesen sein.

Am Samstag hatte Afghanistans Inlandsgeheimdienst den Tod des IS-Anführers Assadullah Oroksai verkündet, der von Spezialkräften in der Nähe von Dschalalabad getötet worden sei. Im April hatten Spezialkommandos den Anführer des IS-Ablegers in Afghanistan, Aslam Faruki, festgenommen.

Nangarhar galt einst als Hochburg des IS in Afghanistan, bevor das Land Ende 2019 den militärischen Sieg über die Terroristen verkündete. Dennoch verübt der IS hier immer wieder Anschläge. Laut einem Bericht des UN-Sicherheitsrats operieren rund 2200 IS-Kämpfer in Afghanistan. Experten gehen davon aus, dass der IS nach einem möglichen Friedensschluss der militant-islamischen Taliban mit der afghanischen Regierung Zulauf von Taliban-Kämpfern erhalten könnte, die eine Einigung mit der Regierung ablehnen.

Die aufständischen Taliban wiesen nach dem Angriff auf das Gefängnis jede Verantwortung von sich. Für das Opferfest Eid al-Adha hatten sie sich mit Kabul auf eine landesweite dreitägige Feuerpause geeinigt, die bis auf wenige Zwischenfälle eingehalten wurde. Seit Monaten planen Afghanistans Regierung und die Taliban Friedensgespräche. Doch im Streit um einen Gefangenenaustausch waren diese ins Stocken geraten. Der Konflikt im Land geht indes weiter.