Potsdam - Nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Hausschweinbeständen in Brandenburg soll nun der Übertragungsweg schnell geklärt werden. Es müsse untersucht werden, wie das Virus in den Bestand des betroffenen Bio-Betriebes gekommen sei, sagte Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), am Montag auf Anfrage.

Auf EU-Ebene informierte Deutschland die anderen EU-Länder über die Lage im Land. Hinter verschlossenen Türen sollten die anderen Agrarministerien mündlich über den Stand der Dinge informiert werden, hieß es in Brüssel.

Die ASP, eine schwere Virusinfektion, ist für Wild- und Hausschweine meist tödlich, aber für Menschen ungefährlich. Im September 2020 wurde der erste Fall bei einem Wildschwein in Deutschland bestätigt – in Brandenburg. Später war auch Sachsen betroffen.

Privatleute sollten mindestens ein Jahr auf Schweinezucht verzichten

Die ersten Fälle bei Hausschweinen waren am Freitag zunächst von einem Bio-Betrieb mit 200 Hausschweinen in Neiße-Malxetal südöstlich von Cottbus gemeldet worden sowie von einem Kleinsthalter in Letschin nördlich von Frankfurt (Oder) an der Grenze zu Polen. Am Wochenende wurde ein weiterer Fall aus der Gegend gemeldet. Da betraf es vier Schweine bei einem Kleinsthalter.

Privatleute sollten aus Sicht von Landesbauernverbandspräsident Henrik Wendorff wegen der Gefahr der Afrikanischen Schweinepest für mindestens ein Jahr auf Aufzucht und Mästung von Hausschweinen verzichten. „Wer nur zwei bis drei Schweine für den privaten Verbrauch aufzieht, kann nicht die hohen Sicherheitsstandards erfüllen wie ein zertifizierter Betrieb“, sagte Wendorff. „Wir erleben gerade, dass bei der Hobbyhaltung erhöhte Risiken bei der Übertragung der Seuche bestehen“, betonte er.

Der Landes-Bauernpräsident sprach sich für eine Fortsetzung des bereits bis Mai in Brandenburg angebotenen Programms für Kleinsthalter in betroffenen Gebieten aus. Wenn die sich verpflichteten, auf die Haltung von Hausschweinen zwei Jahre zu verzichten, erhielten sie 200 Euro pro Tier.

Menschen oder Futter könnten Infektionsquellen sein

Löwenstein wies darauf hin, dass der Bio-Betrieb Neiße-Malxetal seine Tiere aufgrund einer amtlichen Anordnung schon seit September nicht mehr aus dem Stall habe lassen dürfen „Artgerechte Auslaufhaltung kommt hier also nicht als Ursache für die Ansteckung infrage“, fügte er hinzu. Der Betrieb habe auch alle strengen Maßnahmen des Infektionsschutzes eingehalten.

Aus seiner Sicht muss an Infektionsquellen gedacht werden, die auch für konventionelle Halter gefährlich sein können, wie der Faktor Mensch oder das Futter. Das bedeute: Seuchen-Sicherheitskonzepte müssten passend für die einzelnen Schweinehalter entwickelt werden, die auch die artgerechte Haltung besonders im Blick haben.

Der BÖLW vertritt als Dachverband die Interessen der Ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft in Deutschland.