Berlin - Die seit einigen Monaten in Deutschland auftretende Geflügelpest konnte noch immer nicht eingedämmt werden. Wie die Senatsverwaltung für Verbraucherschutz am Dienstag mitteilte, seien in der aktuellen Saison 18 Fälle registriert worden. Der Erreger H5N8 wurde zuletzt am 1. April bei einem Greifvogel in Spandau nachgewiesen, hieß es. Damit sind bislang insgesamt 17 Wildvögel in Treptow-Köpenick, Friedrichshain-Kreuzberg, Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinickendorf, Pankow, Spandau, Neukölln und Steglitz-Zehlendorf und ein Tier in einer Hausgeflügelhaltung in Treptow-Köpenick betroffen. In Berlin trat die Geflügelpest zuletzt im Winter 2016/17 bei knapp 60 Wildvögeln auf.

Damit sich das Virus nicht ausbreitet, hatten seit Anfang März alle Berliner Bezirke flächendeckend die Aufstallung von Hausgeflügel angeordnet. Alle Geflügelarten müssen seitdem in geschlossenen Ställen oder unter einer geschlossenen Vorrichtung gehalten werden. Die Aufstallung ist zunächst bis zum 15. April befristet. Das Friedrich-Loeffler-Institut schätzt das Risiko für eine Verschleppung des Virus in Hausgeflügelbestände nach wie vor als hoch ein, so eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Verbraucherschutz.

Warnung vor Geflügelpest: Tote Wasser- und Greifvögel nicht anfassen 

Damit die Behörden stets über das Ausmaß der Ausbreitung informiert sind, werden alle Geflügelhalter gebeten, ihren Bestand bei ihrem zuständigen Bezirksamt anzumelden. Vereinzelt sei das Virus schon von Tieren auf Menschen übertragen worden, heiß es. So sollen sich im Februar 2021 sieben Mitarbeiter eines russischen Geflügelzüchters mit H5N8 angesteckt haben. Die Infektionen fanden bereits im Dezember statt. Den Betroffenen geht es laut Behördenangaben gut. Eine Weiterverbreitung von Mensch zu Mensch wurde nicht beobachtet, so die Sprecherin.

Die Senatsverwaltung für Verbraucherschutz macht deshalb noch einmal deutlich: Wer tote Wasser-, Raben- oder Greifvögel findet, sollte den Fund den Veterinärämtern der Bezirke melden, damit die Tiere untersucht werden können. Kranke oder verendete Tiere sollten auf keinen Fall angefasst werden, auch Federn sollten nicht gesammelt werden. Im Unterschied zu Wasser-, Raben- oder Greifvögeln gelten Singvögel und Tauben als nicht besonders anfällig für den Geflügelpest-Erreger.

Die seit einigen Monaten in Deutschland auftretende Geflügelpest hat bereits größeren Schaden angerichtet als der letzte große Ausbruch 2016/17. „Das Virus scheint diesmal deutlich aggressiver zu sein, was die Geflügelhalter sehr stark besorgt“, sagt Katharina Standke, Geschäftsführerin des Geflügelwirtschaftsverbandes Brandenburg. Bislang mussten bundesweit bereits 1,8 Millionen Stück Geflügel getötet werden. Beim letzten großen Ausbruch waren es insgesamt 1,2 Millionen.