Was als bislang nahezu unmöglich galt, ist nun Realität: Ärzte der David Geffen School of Medicine der UCLA-Universität in den USA haben offenbar eine mit dem HI-Virus infizierte Frau geheilt. Wie mehrere Medien berichten, konnte die Frau so behandelt werden, dass die Infektion wohl nicht mehr nachweisbar ist. Dazu wendeten die Mediziner um eine Spezialistin für pädiatrische Infektionskrankheiten, Dr. Yvonne J. Bryson, ein neuartiges Verfahren an.

Die auch an Leukämie erkrankte Frau hatte im Zuge der Behandlung Stammzellen von der Nabelschnur eines Säuglings erhalten, so die Berichte. Diese Zellen enthielten offenbar eine Funktion im sogenannten CCR5-Gen, die Menschen gegen das Virus unempfänglich macht. Das Gen-Merkmal verunmöglicht es dem Virus, wie es heißt, Zellen auszumachen. Vor allem Menschen aus Nordeuropa oder Kaukasien besäßen es.

Wie praktikabel ist die Stammzellen-Transplantation?

Die Lateinamerikanerin soll seit 14 Monaten HIV-frei leben. Wirksame Behandlungen seien aktuell nicht notwendig. Es ist nicht der erste Bericht über einen Menschen, der von HIV geheilt wurde, aber: Es handele sich um die erste Frau, die mit dem Virus lebt, erklärt Sharon Lewin, Präsidentin der International Aids Society.

Die Reaktionen in der Medizinwelt auf das Verfahren sind gemischt: So sagte Carl Dieffenbach, Direktor der Abteilung für Aids der nationalen Gesundheitsbehörde, gegenüber NBC News, dass dieser und ähnlich geartete Fälle Anlass zu „Hoffnung“ gäben. Dieffenbach sagte aber auch: Es sei „wichtig, dass es in dieser Richtung weiterhin Erfolge gibt“.

Andere Experten sehen das Verfahren der Stammzellentransplantation laut den Berichten kritischer: Dieses sei unethisch bei Patienten, die nicht bereits beispielsweise unter einer tödlichen Krebserkrankung leiden, da es toxisch und mitunter tödlich enden könne. Auch Lewin merkte offenbar an, dass Knochenmarktransplantationen „keine praktikable Strategie“ seien, „um einen Großteil der Menschen mit HIV zu heilen“.