Yangon - Die Militärs in Myanmar haben in der viertgrößten Stadt des Landes möglicherweise ein Blutbad unter Demonstranten angerichtet: Es dauerte einen Tag, bis die Einzelheiten durchsickerten, aber nach Angaben von Aktivisten wurden bei der brutalen Niederschlagung von Protesten am Freitag in der Stadt Bago Dutzende Menschen getötet. Die Hilfsorganisation für politische Gefangene (AAPP) sprach am Sonnabend von „über 80“ Toten.

Da die Militärjunta inzwischen das Mobilfunknetz stark gedrosselt hat, wird es zunehmend schwierig, Nachrichten über Razzien und Tote zu überprüfen. Von der Nachrichtenagentur AFP überprüfte Videoaufnahmen scheinen das brutale Vorgehen von Militär und Polizei in der rund 65 Kilometer nordöstlich von Rangun gelegenen Stadt jedoch zu bestätigen: Darauf ist zu sehen, wie Demonstranten hinter Sandsackbarrikaden kauern und mit selbstgebauten Gewehren hantieren, während im Hintergrund Explosionen zu hören sind.

Ein Anwohner berichtete AFP, wie Leichen in einen Armeelaster geladen wurden, der kurz darauf wegfuhr. Den Rettungskräften sei es nicht erlaubt worden, in die Nähe der Toten zu kommen. Viele Einwohner seien vor der Gewalt in die nächstgelegenen Dörfer geflüchtet.

Die staatliche Zeitung New Light of Myanmar berichtete von einem Toten. Demnach waren die Behörden gegen „Aufrührer“ eingeschritten.

Das Büro der Vereinten Nationen in Myanmar erklärte am Samstagabend im Onlinedienst Twitter, es gehe der Gewalt in Bago nach. Den Verletzten sei medizinische Behandlung „verweigert“ worden. „Wir fordern die Sicherheitskräfte auf, medizinischem Personal zu erlauben, die Verletzten zu behandeln“, forderte das UN-Büro.

Nach einer Zählung von AAPP wurden seit dem Militärputsch Anfang Februar mindestens 700 Zivilisten getötet. Ein Juntasprecher sprach hingegen am Freitag von 248 getöteten „gewalttätigen Terroristen“. Seit dem Militärputsch wurden zudem 64 Journalisten festgenommen, von denen sich nach Erkenntnissen des Staatenbunds Asean 33 am Sonntag weiterhin in Haft befanden. Insgesamt lag die Zahl der Festnahmen laut AAPP bei mehr als 3000.