Berlin - Wie angekündigt hat die Supermarktkette Aldi am Sonnabend mit dem Verkauf von Corona-Tests für den heimischen Gebrauch begonnen. Die Nachfrage ist groß. In einer Filiale von Aldi-Nord in Prenzlauer Berg waren die begehrten Testkits nach vier Minuten bereits ausverkauft. Ähnlich sah es in einer weiteren Filiale im Bezirk Pankow aus. Wann es wieder Nachschub gibt, ist nicht klar.

Pankow, ein Aldi, die Sonne geht gerade auf. In der Schlange stehen zehn Menschen mit Einkaufswagen. Als sich die Tür um 7 Uhr pünktlich öffnet, schieben sie geduldig in den Markt, die meisten biegen gleich in Richtung Kasse ab. Und das ist klug, denn wer nur eine Runde zu den Brötchen einlegt, geht schon leer aus. Die Pankower Filiale hat nur eine Handvoll Tests zum Verkauf bekommen. Am Abend vorher hatte in einer anderen Filiale ein Aldi-Mitarbeiter zu seiner Kollegin gesagt, ihm graue schon vor dem Sonnabend. Jetzt ist auch klar, warum.

Sehr begrenztes Angebot an Selbsttest bei Aldi

In einer Mitteilung hatte Aldi schon zuvor gewarnt: „Um möglichst vielen Kunden die Möglichkeit zu geben, Selbsttests zu erwerben, ist die Abgabemenge zunächst auf eine Packung pro Kunde begrenzt“. Vorsichtshalber bat das Unternehmen seine Kunden „um Verständnis, sollten die Selbsttests aufgrund der hohen Nachfrage schon am ersten Aktionstag vergriffen sein“.

Dass es aber so schnell geht, verärgert die Kunden. Selbst die Mitarbeiter waren extra angewiesen worden, keine Tests zu kaufen. In einer weiteren Pankower Filiale war erst am Freitagabend klar gewesen, dass überhaupt eine Mini-Lieferung kommt. 

Auch in dieser Filiale sind die 20 gelieferten Tests innerhalb von zehn Minuten ausverkauft. Kunden sind verärgert. Ein Ehepaar wollte die Tests kaufen, um beim Verwandtenbesuch sicherer zu sein. 

Fünf Tests in einer Packung kosten 24,99 Euro

In einer weiteren Filiale von Aldi-Nord in Prenzlauer Berg waren die begehrten Testkits auch bereits nach vier Minuten ausverkauft. Wann es wieder Nachschub gibt, wurde in der Aldi-Filiale nicht mitgeteilt. Fünf Tests in einer Packung kosten 24,99 Euro. Erhältlich waren die Tests in der Filiale in Prenzlauer Berg ausschließlich bei den Kassiererinnen.

15 Minuten vor der Öffnung des Ladens bildete sich bei Minusgraden hier bereits eine Schlange. Nachdem das Geschäft um 7 Uhr seine Pforten geöffnet hatte, gingen fast alle Kunden mit leeren Einkaufswagen direkt an die beiden Kassen und kauften die begehrten Tests. Pro Einkauf wurde ein Testkit herausgegeben. Bereits um 7.04 Uhr war wieder Schluss, alle Tests waren verkauft.

Aldi verspricht bald Selbsttest-Nachschub 

Ein Aldi-Sprecher beantwortete eine Anfrage der Berliner Zeitung wegen der großen Nachfrage so: „Vor vielen Märkten im gesamten Aldi-Nord-Gebiet kam es heute zu keinem größeren Andrang als allgemein an einem Sonnabend üblich. Nur vereinzelt warteten vor der Öffnung schon einige Kunden vor der Filiale. Wenn es Schlangen gab, so haben diese sich schnell wieder aufgelöst.“ Die Selbsttests seien aufgrund der hohen Nachfrage in vielen unserer Filialen bereits nach kurzer Zeit ausverkauft gewesen.

Die Beschaffung zugelassener Selbsttests sei sehr herausfordernd. „Daher konnten wir heute in unseren Filialen zunächst nur eine sehr begrenzte Menge an Ware anbieten. Trotzdem haben wir uns im Vorfeld dazu entschieden, schon heute mit dem Verkauf zu starten, um die Menschen schon jetzt mit Selbsttests zu unterstützen.“

Wir bitten die Kunden um Verständnis, die am Sonnabend leer ausgegangen sein sollten und versichern: Nachschub kommt.

Sprecher Aldi-Nord

In den nächsten Tagen würden die Märkte mit neuer Ware beliefert. Weitere Selbsttests würden dann angeboten. 

In der Filiale in der Storkower Straße waren die Tests ein paar Minuten nach der Ladenöffnung um 7 Uhr vergriffen. Reporter der Berliner Zeitung sprachen mit enttäuschten Kunden. Ina Feldkamp etwa wollte sich ein Testkit besorgen. Sie arbeitet in einem Berufsbildungswerk mit beeinträchtigten Jugendlichen, ist bisher nicht geimpft worden. „Ein bisschen mehr Sicherheit hätte ich mir mit den Tests bis dahin schon versprochen“, sagt sie. 

Foto: Markus Wächter
Ina Feldkamp hätte gern Corona-Selbsttests gekauft. 

Auch andere Kunden sind enttäuscht, weil sie nun aus Vorsicht wieder Treffen mit Verwandten verschieben oder beim Husten des Kindes nicht schnell auf Nummer sicher gehen können. Sie hoffen, dass sich das Angebot in den nächsten Tagen verbessert. 

Das Bundesgesundheitsministerium hatte vor vier Wochen die Medizinprodukte-Abgabeverordnung geändert. Damit dürfen Selbsttests seit dem 2. Februar 2021 auch in Drogerien, im Einzelhandel oder beim Discounter verkauft werden. Bei dem bei Aldi verkauften Selbsttest handelt es sich um das Produkt Aesku.Rapid. Nach Packungsangaben soll der Sars-CoV-2-Rapid-Test ein „hochpräziser Antigen-Test“ sein, der bereits nach 15 Minuten ein Ergebnis liefern soll. Die Handhabung sei „einfach“, für ein Testergebnis „ein Nasenabstrich in nur 2,5 Zentimeter“ nötig.

Medien: Onlineshop von Lidl kurzzeitig zusammengebrochen

Der Discounter Lidl hat am Sonnabend mit dem Verkauf von Corona-Schnelltests für den privaten Gebrauch begonnen – zunächst über seinen Onlineshop. Wie das Unternehmen in Neckarsulm mitteilte, sind die Tests über lidl.de seit Sonnabend „versandkostenfrei für 21,99 Euro pro 5er-Packung für den privaten Gebrauch“ erhältlich. „In Kürze“ würden Corona-Schnelltests zudem in allen Lidl-Filialen verkauft. Allerdings ist der Onlineshop von Lidl stark frequentiert. Mehrere Medien berichten, dass die Homepage des Discounters kurzzeitig zusammengebrochen sei.

Transparenzhinweis: Der Eigentümer des Berliner Verlags, Holger Friedrich, ist Mitglied des Aufsichtsrats der Rostocker Firma Centogene, einer Rare Disease Company.