Berlin - Fünf Monate nach seiner Vergiftung will der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny am Sonntag von Deutschland nach Russland zurückkehren. Das Flugzeug der russischen Gesellschaft Pobeda soll am Nachmittag vom Berliner Flughafen BER starten und um 17.20 Uhr MEZ (19.20 Uhr Ortszeit) am Moskauer Flughafen Wnukowo landen. Der Oppositionsführer hatte seine Anhänger aufgerufen, ihn dort zu treffen. Die Moskauer Staatsanwaltschaft warnte vor unerlaubten Kundgebungen auf dem Flughafengelände und drohte mit Konsequenzen.

Zahlreiche Medien beklagten laut dpa, dass die Flughafenverwaltung keine Kamerateams zulassen wollte. Nawalny drohen in Russland mehrere Strafverfahren. Möglich könnte eine Festnahme sein, weil er Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren nicht erfüllt haben soll, während er sich in Deutschland aufhielt. Die Behörde hatte Nawalny kurz vor dem Jahreswechsel schriftlich aufgefordert, die Auflagen einer Verurteilung aus dem Jahr 2014 zu erfüllen und sich bei den russischen Behörden persönlich zu melden. Ansonsten drohe eine Inhaftierung. Nawalny schrieb dazu, die Bewährungsstrafe habe bereits am 30. Dezember vergangenen Jahres geendet.

Nawalny erholte sich in Deutschland. Er soll laut Erkenntnissen eines Bundeswehr-Labors mit Nowitschok vergiftet worden sein. Das Attentat war am 20. August in der sibirischen Stadt Tomsk auf ihn verübt worden. Nawalny hat mehrfach gesagt, dass sein Platz in Russland sei und er dort seinen Kampf gegen das „System Putin“ fortsetzen wolle. Die Frage einer Rückkehr habe sich für ihn nie gestellt, weil er Russland nie selbst verlassen habe, schrieb der 44-Jährige vor einigen Tagen auf Twitter. „Ich bin in einer Wiederbelebungskiste in Deutschland angekommen“, meinte er mit Blick auf sein mehrwöchiges Koma nach dem Anschlag in Russland.