Algier - Algeriens Ex-Präsident Abdelaziz Bouteflika ist am Freitag im Alter von 84 Jahren gestorben. Nach 20 Jahren im Amt hatte er 2019 wegen heftiger Proteste und auf Druck des Militärs seinen Rücktritt eingereicht.

Bereits zuvor hatte seine Macht gebröckelt. Seit einem Schlaganfall 2013 war er gesundheitlich schwer angeschlagen, trat kaum noch öffentlich auf. Dennoch wollte er für eine fünfte Amtszeit kandidieren. Als er schließlich aufgab, kam es in der Hauptstadt Algier zu Freudenfeiern auf den Straßen.

Bouteflika sei sein Leben lang von zwei Obsessionen geleitet worden: An die Macht zu kommen und diese zu halten, sagte sein Biograf Farid Alilat der Nachrichtenagentur AFP.

Dabei galt Bouteflika vielen Algeriern lange als der Mann, dem sie das Ende der „nationalen Tragödie“ verdanken. Gemeint sind die Jahre des gewaltsamen Konflikts zwischen Sicherheitskräften und bewaffneten islamistischen Gruppen.

In diesem Konflikt wurden zwischen 1992 und 2002 Schätzungen zufolge etwa 200.000 Menschen getötet. Unter Bouteflikas Herrschaft wurden Amnestiegesetze für aufständische Islamisten beschlossen, die der Gewalt abschworen.

1999 wurde Bouteflika erstmals gewählt

Bouteflika war im April 1999 – unterstützt von der Armee und der aus der Befreiungsbewegung hervorgegangenen Partei Nationale Befreiungsfront (FLN) – erstmals zum Staatschef gewählt worden. Bei Wahlen 2004 und 2009 erhielt Bouteflika mit jeweils glänzenden Ergebnissen eine Bestätigung im Amt.

Besonders umstritten war jedoch die Wiederwahl 2009. Bouteflika setzte eine Verfassungsänderung durch, sodass er für ein drittes Mandat antreten konnte. Seine Gegner sprachen von einem „Staatsstreich per Verfassung“.

Geboren wurde Bouteflika am 2. März 1937 im marokkanischen Oujda, wo seine aus Nordalgerien stammenden Eltern ein Dampfbad betrieben. Bereits mit 19 Jahren kämpfte er als Kommandeur der Nationalen Befreiungsarmee gegen die französischen Kolonialherren.

Als Algerien 1962 die Unabhängigkeit erlangte, wurde Bouteflika mit 25 Jahren Minister für Sport und Tourismus. Ein Jahr später übernahm er den Posten des Außenministers, den er bis 1979 innehatte.

1965 unterstützte Bouteflika den Militärputsch des damaligen Verteidigungsministers Houari Boumedienne gegen den ersten Präsidenten des unabhängigen Algerien, Ahmed Ben Bella. Nach Boumediennes Tod im Jahr 1978 verhinderte das Militär, dass Bouteflika seinem Ziehvater als Staatspräsident nachfolgte.

Exil in Dubai und Genf

Bouteflika gab alle politischen Funktionen auf und ging ins Exil nach Dubai und Genf. Erst 1999 kehrte er nach Algerien zurück. 1994 hatte die Armee den ehemaligen Offizier schon an die Staatsspitze holen wollen, doch dieser ließ sich damit noch fünf Jahre Zeit.

Als der Arabische Frühling 2011 die Region erschütterte, bewies der von seinen Gegnern als Marionette des Militärs geschmähte Präsident taktisches Geschick. Während seine Kollegen in den Nachbarstaaten auf Unterdrückung setzten, kündigte er Reformen an.

Zwar wurden diese von der Opposition als unzureichend kritisiert, doch weitere Proteste blieben zunächst aus. Menschenrechtsgruppen kritisieren bis heute eine Repression von Opposition und Medien.

Die Parlamentswahl im Mai 2012 gewann Bouteflikas FLN deutlich. Er selbst blieb fest im Sattel und regierte weiter mit harter Hand. Auch aus seiner vierten Präsidentschaftswahl 2014 ging Bouteflika als klarer Sieger hervor. Dabei hatte es bis in den Sicherheitsapparat Widerstand gegen seine Kandidatur gegeben.

Ein Jahr zuvor hatte Bouteflika einen Schlaganfall erlitten. Er verbrachte Monate im Krankenhaus in Paris, war nur noch ein Schatten seiner selbst und praktisch verstummt. Kritiker gingen davon aus, dass er 2019 im Machtapparat schon lange nicht mehr die Fäden in der Hand hielt. Dennoch wollte er für ein fünftes Mandat kandidieren, womit der gebrechliche Greis große Teile der Bevölkerung gegen sich aufbrachte. Es folgten Massenproteste – der Anfang vom Ende der Ära Bouteflika.