Alice Schwarzer hat sich zu den Reaktionen zu dem von ihr mitunterzeichneten offenen Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) geäußert. Dem Kölner Stadtanzeiger sagte die Feministin, dass sie das Schreiben als ungewöhnlichen Erfolg werte. Das Hauptziel, die Vorbehalte gegenüber immer weiteren Waffenlieferungen vorzutragen, sei „zu hundert Prozent erreicht“.

Schwarzer erklärte zudem, dass sie Wladimir Putin „nicht für verrückt“ halte. Dieser sei sich darüber im Klaren, „dass er diesen Krieg, der von Anfang an ein Verbrechen war, nicht ewig führen kann“. Die Publizistin erneuerte zudem ihren Ruf nach sofortigen Verhandlungen mit Russland. Fast immer seien „in einem Krieg die Folgen des Krieges schlimmer als die Folgen von Verhandlungen und Kompromissen“.

Alice Schwarzer: Auch Selenskyj nimmt „Pose des Helden“ ein

Dem russischen Präsidenten und dem ukrainischen – Wolodymyr Selenskyj – warf Schwarzer vor, ein Macho-Gehabe an den Tag zu legen. „Verletzte Männerehre ist gemeingefährlich, bei Ehemännern wie bei Präsidenten. Und die ‚toxische Männlichkeit‘, wie man heute sagt, spielt auch hier auf beiden Seiten eine große Rolle.“ Die Situation verschlimmere sich dadurch.

Sie warf Selenskyj – wie Putin – die Einnahme einer „Pose des Helden“ vor, und dass man auch von ihm bislang kein Wort der Nachdenklichkeit gehört habe. „Nur, dass der Krieg weitergehen muss – nicht, wie er beendet werden könnte“, kritisiert Schwarzer weiter. Ferner lobte Schwarzer, dass mit dem offenen Brief eine öffentliche Debatte in Gang gekommen sei. Über die Gefahr einer „Eskalation bis zu einem dritten Weltkrieg“ müsse geredet werden. Es handele sich dabei um eine „für uns alle“ lebenswichtige Frage.