BerlinBundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) rät zur Nutzung alternativer Unterrichtsräume. Der „Bild am Sonntag“ sagte er: „Ich würde mir wünschen, dass die physischen Möglichkeiten der Kommunen noch besser ausgeschöpft werden.“

Altmaier zielte damit vor allem auf „Gemeindezentren, Kulturhäuser“ oder „ungenutzte Räume von Gaststätten und Hotels“ ab. Zur Begründung führt der Politiker an, dass es in Klassenräumen oft schwer sei, ausreichenden Abstand zu halten.

Einschränkungen offenbar noch bis März

Für das Öffnen von Restaurants und Kinos sehe Altmaier wenig Spielraum. „Wir werden zumindest in den nächsten vier bis fünf Monaten mit erheblichen Vorsichtsmaßnahmen und Einschränkungen leben müssen.“

„Wir sind aus dem Gröbsten noch nicht raus“, sagte der Minister. Einen „Jo-Jo-Shutdown“ mit ständigem Öffnen und Schließen der Wirtschaft könne sich Deutschland nicht leisten.

Der Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Berlin, Thomas Lengefelder, hält Altmaiers Vorstoß für eine „gute Idee“, wenn es dafür auch ein bisschen Geld gibt. „Alles, was den Hotels und Gaststätten Einnahmen bringt, ist positiv“, so der Verbandschef.

Der Berliner FDP-Politiker Paul Fresdorf meint: Gaststätten seien von der Infrastruktur her schwierig, in Hotels könne man eventuell Seminarräume gut nutzen. Momentan gehe man aber ja noch von einem Ende des Lockdowns Ende November aus. „Der Aufwand würde sich nur lohnen, wenn die Beschränkungen noch für einen längeren Zeitraum gelten“, so Fresdorf.

Begrüßt wird Altmaiers Vorstoß vom Berliner Bildungsautor Christian Füller. „Als Notlösung ist das eine passable Idee, um mehr Abstand in der Pandemie zu schaffen. Denn die Klassenzimmer sind im Moment viel zu voll. Die Frage ist nur, wer unterrichtet dann Pythagoras und Futur II in der Kneipe? Klassen kann man halbieren – Lehrer nicht“, sagte er der Berliner Zeitung.

Norbert Raeder, Wirt des „Kastanienwäldchen“ in Reinickendorf, hat schon einmal Schüler in seinem Restaurant unterrichten lassen. Das sei vor mehreren Jahren gewesen, um auf den Unterrichtsausfall in der Stadt hinzuweisen, erzählt er. „Klar würde ich auch jetzt Schüler in meine Kneipe lassen. Doch Rathäuser finde ich geeigneter, um auf andere Räume auszuweichen.“

Wie soll das organisiert sein? Scheeres äußert sich zurückhaltend

Zweifel an der Idee Altmaiers bekundete der Landeselternvertreter für Berlin, Norman Heise: „Vor dem Hintergrund des organisatorisch Machbaren erscheint mir das doch fragwürdig.“ Schulen hätten ja beispielsweise auch Fachräume. Diese stünden in Hotels und Gaststätten nicht zur Verfügung.

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Marianne Burkert-Eulitz, äußerte sich schriftlich auf die Fragen der Berliner Zeitung. „Grundsätzlich ist es gut, auch andere Räume in der Schule zu nutzen“, schrieb sie. Es sei eine Möglichkeit, Schule mit neuen Konzepten an anderen Orten neu zu begreifen. Dazu wäre die Senatsverwaltung am Zug. „Hauptproblem bei Altmaiers Vorschlag ist die Finanzierung – bekommen die Länder und Kommunen dafür Geld vom Bund, um Gaststätten und Hotels zu bezahlen?“, so Burkert-Eulitz.

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) äußerte sich am Sonntagmorgen zum Altmaier-Vorschlag zurückhaltend. Ein Sprecher sagte: „Wir beobachten das Infektionsgeschehen sehr genau und bereiten uns auf verschiedene Eventualtäten vor.“