Geld (Symbolbild)
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BerlinWer als Alleinlebender mehr als 3529 Euro netto an Einkommen zur Verfügung hat, ist damit besser gestellt als 90 Prozent der Menschen in Deutschland. Dies ist das zentrale Ergebnis einer Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, über die der „Spiegel“ zuerst berichtete. Bei kinderlosen Paaren liegt diese Schwelle demnach bei 5294 Euro Haushaltsnettoeinkommen im Monat. Eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren gehört ab 7412 Euro netto pro Monat zum oberen Zehntel. 

Für ihre Analyse haben die Forscher die aktuell verfügbaren Daten aus der Haushaltsbefragung Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) neu ausgewertet. Zu diesem Einkommen gehört nicht nur der Verdienst aus der eigenen Arbeit, sondern auch eventuelle Einnahmen aus Aktienanlagen oder vermieteten Immobilien. Wer in einer Eigentumswohnung oder im abbezahlten Haus lebt, muss auch die fiktive Nettomiete noch dazurechnen.

Grafik: IW

Unabhängig davon, ab welcher Einkommensschwelle man von Reichtum spricht, ordnen sich den Wissenschaftlern zufolge nur wenige Menschen selbst der Oberschicht oder den Reichen zu. „Bei Einschätzungen zum Thema Reichtum gehen Daten und Wahrnehmung besonders weit auseinander“, sagt die an der Auswertung beteiligte IW-Verteilungsexpertin Judith Niehues. „Kaum jemand empfindet sich selbst als reich, gleichzeitig glauben viele, dass sehr große Teile der Bevölkerung reich sind.“

Eine Expertin der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung weist darauf hin, dass sich bestehende Ungleichheiten durch die Corona-Krise weiter verschärfen dürften. „Nach einem Jahrzehnt mit kräftigem Wirtschaftswachstum und Rekordbeschäftigung ist die Ungleichheit in Deutschland weiter so hoch, dass man damit nicht zufrieden sein kann“, sagte die wissenschaftliche Direktorin der Stiftung, Bettina Kohlrausch, der Deutschen Presse-Agentur.