Berlin - Drei Jahre nach dem Angriff auf das jüdische Restaurant „Schalom“ und seinen Geschäftsführer in Chemnitz ist ein 30-Jähriger zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Amtsgericht Chemnitz sprach den Mann aus Niedersachsen am Mittwoch der gefährlichen Körperverletzung und des Landfriedensbruchs schuldig. Ende August 2018 hatte eine Gruppe das Lokal mit Steinen und Flaschen attackiert und dabei auch den Wirt verletzt. An einem Stein war DNA des Mannes gefunden worden. In Verbindung mit einer anderen Verurteilung wegen Drogenhandel verhängte Richter Dominik Börner eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Staatsanwalt Thomas Fischer hatte in seinem Plädoyer von einer „rassistischen Tat“ gesprochen. Der Wirt habe getroffen werden sollen, weil er sich zum Judentum bekenne. Der Wirt hatte nach dem Angriff berichtet, dass auch antisemitische Parolen gerufen worden seien. Die antisemitische Beleidigung konnte dem Angeklagten aber nicht zweifelsfrei zugeordnet werden, weshalb sie nicht Teil der Anklage war.

Angriff auf das „Schalom“ sorgte für bundesweite Erschütterung

Der Staatsanwalt beantragte eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und einem Monat – ohne Bewährung. Die Verteidigung verlangte dagegen einen Freispruch. Über die DNA-Spur hinaus seien keine weiteren Indizien für eine Schuld seines Mandanten gefunden worden, sagte Rechtsanwalt Jan-Hendrik Herms. Der angeklagte Deutsche selbst hatte sich im Prozess nicht zu den Vorwürfen geäußert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Angriff auf das jüdische Restaurant stand im Zusammenhang mit den Ausschreitungen nach dem gewaltsamen Tod eines 35-jährigen Manns am Rande des Stadtfests in Chemnitz. Danach waren innerhalb kürzester Zeit über soziale Medien bundesweit Rechtsextreme mobilisiert worden. Der Angriff auf das „Schalom“ sorgte bundesweit für Erschütterung.