Der Reporter Julian Stähle soll bei einem SEK-Einsatz Opfer von Polizeigewalt geworden sein. Eine Videoaufnahme zeigte den Angriff.
Foto: Julian Stähle

PostdamNach einem Fall mutmaßlicher Polizeigewalt in Brandenburg ist gegen zwei Beamte ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Nach Angaben eines Polizeisprechers seien die beiden Polizisten jetzt in den Innendienst der Polizeidirektion West versetzt worden. Es werde weiterhin der Vorwurf einer Falschaussage geprüft. Hintergrund ist der Angriff eines Polizisten auf einen Fotografen am Rande eines SEK-Einsatzes in einem Waldstück bei Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark).

Der 26-jährige Fotoreporter Julian Stähle zeichnete die Auseinandersetzung zufällig mit seiner Videokamera auf. Das brachte die Wende in dem Fall. Denn Polizisten hatten ihn angezeigt, weil er den Polizeieinsatz behindert und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte geleistet haben soll. Die Aufnahme, die der Berliner Zeitung vorliegt, dokumentiert auf 70 Sekunden, wie ein Polizist Stähle gewaltsam zu Boden bringt und anschließend würgt. Der 26-jährige Fotograf war nach der Attacke mehrere Wochen krankgeschrieben. 

Nachdem die Bilder in einem Gerichtsprozess gezeigt wurden, wurde gegen die zwei Polizisten wegen des Verdachts der Falschaussage ermittelt. Laut seines Anwalts wollte sein Mandant das Bildmaterial nicht eher zeigen, da er die Möglichkeit in Betracht zog, dass die Polizisten ihre Aussagen anhand des Videos ändern oder anpassen könnten. Die Ermittlungen dazu seien noch immer nicht abgeschlossen. 

Das Polizeipräsidium und die Staatsanwaltschaft Potsdam haben das komplette Video nach eigenen Angaben noch nicht erhalten, obwohl es bereits am 14. August als Beweisstück bei der Hauptverhandlung den Richtern am Amtsgericht Brandenburg (Havel) vorgelegt worden war. Die Staatsanwaltschaft will anhand der Aufzeichnung weiterhin prüfen, ob sich ein Polizist bei dem Einsatz strafbar gemacht hat. Es stehe die Frage im Raum, ob eine Körperverletzung im Amt in Betracht komme. Der Fall war auch Thema im Innenausschuss der Brandenburger Landtages. Dennoch scheinen sich die Ermittlungen hinzuziehen. (mit dpa)