Baerbock warnt: UN-Klimakonferenz könnte scheitern

„Wir werden keinen Vorschlägen zustimmen, die das 1,5-Grad-Ziel zurückdrehen“, so Baerbock. Damit könnte ein Scheitern der Konferenz in Kauf genommen werden. 

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock gibt vor dem deutschen Delegationsbüro während der Klimakonferenz ein Pressestatement. 
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock gibt vor dem deutschen Delegationsbüro während der Klimakonferenz ein Pressestatement. imago/Thomas Trutschel

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat auf der Weltklimakonferenz in Ägypten offen damit gedroht, dass die Europäische Union notfalls auch ein Scheitern des UN-Treffens in Kauf nimmt. „Wir werden keinen Vorschlägen zustimmen, die das 1,5-Grad-Ziel zurückdrehen.“ Und man werde auch keinen Vorschlägen zustimmen, die die Freiheiten künftiger Generationen infrage stellen, sagte die Grünen-Politikerin am Samstag in Scharm el-Scheich. Es kursierten aber Vorschläge, die andeuten, dass kein Staat in den nächsten zehn Jahren seine Klimaschutz-Ambitionen steigern müsse. „Dann würde das 1,5-Grad-Ziel hier auf dieser Konferenz sterben. Und da macht die Europäische Union nicht mit“, betonte sie.

1,5-Grad-Marke wird wahrscheinlich überschritten

2015 hatten die Staaten in Paris vereinbart, die Erwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Die Welt hat sich nun schon um gut 1,1 Grad erwärmt, Deutschland noch stärker. Ein Überschreiten der 1,5-Grad-Marke erhöht nach Warnungen der Wissenschaft deutlich das Risiko, sogenannte Kippelemente im Klimasystem und damit unkontrollierbare Kettenreaktionen auszulösen.

Baerbock sagte, die Erderhitzung und ihre Folgen wie häufigere Dürren, Stürme und Überschwemmungen brächten schon jetzt viele der verletzlichsten Staaten an den Rand des Kollaps – und diesen müsse geholfen werden. Man sei nicht nur in Ägypten „um Papier zu produzieren“, sagte sie. „Sondern wir sind hier, um das 1,5-Grad-Ziel am Leben zu erhalten.“ Die Konferenz in Ägypten müsse einen großen Schritt vorankommen, sagte sie. „Wenn andere hier den 1,5-Grad-Pfad beerdigen wollen, dann sagen wir klar: Da machen wir nicht mit.“

Weltklimakonferenz wurde verlängert

Die Weltklimakonferenz war am Freitagabend in die Verlängerung gegangen. „Es gibt ein gleiches Maß an Unzufriedenheit von allen Seiten“, sagte COP-Präsident Samih Schukri am Samstagmorgen. Die Teilnehmer aus rund 200 Staaten wollten weiter über eine mögliche Abschlusserklärung beraten. Der Frage eines Scheiterns, etwa wenn einzelne Länder die Verhandlungen wegen zu schwacher Klima-Zusagen beendeten, wich er aus: „Jede Partei hat das volle Recht, sich einem Konsens anzuschließen oder nicht anzuschließen.“