Anschlag in Istanbul: PKK und syrische Kurden weisen Verantwortung zurück

In der viel besuchten Einkaufsstraße Istiklal in Istanbul explodierte eine Bombe. Sechs Menschen starben, mehr als 80 wurden verletzt.

Bewaffnete Sicherheitskräfte stehen am Ort einer Explosion auf der beliebten Einkaufsstraße Istiklal in Istanbul.
Bewaffnete Sicherheitskräfte stehen am Ort einer Explosion auf der beliebten Einkaufsstraße Istiklal in Istanbul.dpa/Francisco Seco

Die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und die syrischen Kurden haben jegliche Verantwortung für den tödlichen Anschlag von Istanbul zurückgewiesen. „Unser Volk und die demokratische Öffentlichkeit wissen genau, dass wir nichts mit diesem Vorfall zu tun haben, dass wir nicht direkt auf Zivilisten zielen und dass wir Aktionen nicht akzeptieren, die auf Zivilisten abzielen“, schrieb die in der Türkei verbotene PKK-Organisation in einer von der Nachrichtenagentur Firat am Montag veröffentlichten Erklärung. Firat steht der PKK nahe, die von der Türkei und ihren westlichen Verbündeten als „Terrororganisation“ eingestuft wird.

Zuvor hatte der türkische Innenminister Süleyman Soylu die PKK für den Anschlag vom Sonntag mit sechs Toten und 81 Verletzten verantwortlich gemacht. Die türkische Polizei gab zudem laut örtlichen Medienberichten bekannt, dass eine PKK-Anhängerin aus Syrien die Bombe in einer belebten Einkaufsstraße gelegt habe. Demnach gestand die festgenommene junge Frau die Tat und gab an, im Auftrag der PKK gehandelt und ihre Anweisungen in Kobane im Kurdengebiet im Nordosten Syriens bekommen zu haben. Ein türkischer Vertreter verwies zudem auf die PKK-Jugendorganisation.

PKK und YPG weisen Anschlagsvorwürfe scharf zurück

Nicht nur die bewaffnete PKK-Organisation, auch ihr politischer Flügel wies die türkischen Anschuldigungen zurück. „Es gibt keinerlei Verbindung zwischen der PKK und der Explosion gestern in Istanbul“, sagte ein Sprecher des politischen Flügels. Die PKK hielt ihrerseits der türkischen Regierung in ihrer von Firat verbreiteten Erklärung vor, sie habe „dunkle Pläne“ und wolle „Kobane als Ziel“ anzeigen. In den Monaten davor hatte Ankara immer wieder angekündigt, dass die Türkei eine militärische Offensive gegen die Kurdengebiete in Nordsyrien starten werde. Vor einem solchen Angriff hatten andere Nato-Länder, darunter die USA, sowie Russland und Iran jedoch die Türkei gewarnt.

Die syrischen Kurden wiesen am Montag ebenfalls jegliche Verbindung zu dem Anschlag von Istanbul zurück. „Wir versichern, dass unsere Kräfte keinerlei Verbindung zu der Explosion von Istanbul haben, und wir weisen die Anschuldigungen gegen sie zurück“, hob der Kommandeur des von kurdischen YPG-Einheiten angeführten syrischen Militärbündnisses SDF, Maslum Abdi, im Online-Dienst Twitter hervor.

Die YPG werden von den USA unterstützt und spielten bei der Vertreibung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) aus Syrien und auch aus Kobane eine entscheidende Rolle. Die Türkei hingegen wirft der YPG vor, ein Ableger der PKK zu sein, und stuft sie deshalb ebenfalls als „terroristisch“ ein. Die Türkei versucht seit Jahren, an ihrer Grenze zu Syrien im kurdischen Gebiet eine „Pufferzone“ einzurichten und die kurdischen Einheiten von dort zu vertreiben.