Berlin - Der Anteil der wohnungslosen oder von Wohnungslosigkeit bedrohten Erwerbstätigen in Deutschland hat sich innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. Laut einer am Donnerstag veröffentlichtem Statistik der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslose in Berlin befanden sich 15 Prozent der im Dokumentationssystem zur Wohnungslosigkeit erfassten Hilfesuchenden im Jahr 2019 in einem Beschäftigungsverhältnis. Der Großteil von ihnen arbeitete demnach auf dem ersten, also dem regulären Arbeitsmarkt.

Werena Rosenke, die Geschäftsführerin des Vereins, bezeichnete diese Entwicklung als alarmierend. „Das macht einmal mehr deutlich: Bezahlbarer Wohnraum ist so knapp wie selten zuvor“, erklärte sie. Erwerbstätige Frauen waren laut Statistik mit einem Anteil von 17 Prozent etwas häufiger von Wohnungsnot betroffen als Männer mit einem Anteil von 14 Prozent.

80 Prozent der registrierten unter 30-Jährigen ohne eigene Wohnung

Besonders stark traf die Wohnungsnot trotz Einkommens die jüngere Generation: Der Statistik zufolge lebten 80 Prozent der registrierten unter 30-Jährigen ohne eigene Wohnung. Bei Betroffenen im Alter von 60 Jahren und älter waren es 60 Prozent. Rund drei Viertel der Menschen in Wohnungsnot waren Männer.

Die meisten der hilfesuchenden Menschen seien bei Freundinnen oder Freunden, ihren Partnerinnen oder Partnern, Bekannten oder der Familie untergekommen. Frauen lebten demnach häufiger bei der Familie oder Lebensgefährten beziehungsweise -gefährtinnen, wohingegen Männer häufiger bei Bekannten unterkamen.

Für den Bericht werden seit 1990 jährlich Daten aus Diensten und Einrichtungen der Hilfen in Wohnungsnotfällen ausgewertet. Für das Jahr 2019 übermittelten Einrichtungen mehr als 45.600 anonymisierte Falldaten. 74,4 Prozent der erfassten Hilfesuchenden sind laut Bundesarbeitsgemeinschaft akut wohnungslos.