Berlin - Nach massiver Kritik hat der RBB beschlossen, einen Beitrag über eine Anti-Israel-Demo am Mittwochabend in Berlin aus der Mediathek zu entfernen. Das teilte der Sender am Donnerstag auf Twitter mit. „Die Darstellung enthielt inhaltliche und handwerkliche Fehler und wurde der Situation nicht gerecht. Diese Berichterstattung entsprach definitiv nicht unseren journalistischen Standards“, heißt es dort.

Auf der Demo wurden Parolen wie „Israel isn't real“ und „Kindermörder Israel“ skandiert, das Jüdische Forum berichtet von „vereinzelten anti-semitischen“ Rufen. Der RBB-Reporter vor Ort sagte in dem umstrittenen Abendschau-Bericht: „Viele junge Frauen, die auch sehr viel Farbe in diese Demonstration reinbrachten. Aufgrund von vielen palästinensischen Fahnen, die sie mitgebracht hatten, ihre Kostüme, durch ihre Kopftücher und teilweise waren sie halt auch geschminkt. Das verlieh dieser Demonstration eine sehr, sehr gute Atmosphäre.“ Am Donnerstagmittag gab die Polizei Berlin Fakten zum Verlauf der Demo bekannt.

In dem Beitrag sagte der Mann weiter: „Es gab keine antiisraelischen Parolen. Die Kritik an der Kriegsführung der Israelis war zu hören. Aber es war kein Judenhass, kein Aufruf zur Gewalt zu hören. Das ist ein ganz gutes Fazit, das wir hier heute ziehen können.“

Die Berichterstattung sorgte für Unmut und Kritik. Sebastian Brux, Pressesprecher der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung twitterte am Abend: „Bin ja kein Journalist, frage mich aber, ob da die professionelle Distanz fehlt? Demo rief ‚Kindermörder Israel‘ (Q: @glr_berlin ), ‚eine ganz tolle Atmosphäre‘ behauptet dagegen die @rbbabendschau“ . Zudem sei die „Exotisierung von Menschen in Kostümen auch schräg.“ 

Ruven Gastel, Sprecher des Jungen Forums der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin und Brandendburg e.V., twitterte dazu: „Was ist hier eigentlich los?! Seit Tagen zieht der antisemitische Mob durch Berlins Straßen und die @rbbabendschau berichtet, als ginge es um den CSD? Das ist wirklich fahrlässig.“

Das Fazit des RBB-Reporters: „Es war wirklich eine sehr friedliche Demonstration. Immer wieder hörte man ‚free, free Palestine‘ also für ein freies Palästina. Die Menschen demonstrierten für mehr Frieden für die Menschen in Palästina.“

Der Spitzenkandidat der Freien Wähler Berlin Marcel Luthe sagte der Berliner Zeitung dazu: „Wer ein Mindestmaß an politischer und historischer Bildung hat weiß, dass Deutschland – im Gegensatz etwa dem Iran, Sudan und Syrien – keinen Staat namens Palästina anerkennt, den es bekanntlich auch nie gegeben hat und der begrifflich erst zur Rechtfertigung des islamistischen und antisemitischen Terrors gegen Israel erfunden wurde.“ Man müsse „erkennen, dass die ‚Befreiung‘ nichts anderes bedeutet als die Auslöschung Israels“. Luthe weiter: „Wer diese Forderung bejubelt, steht nicht auf dem Boden des Grundgesetzes.“

53 Festnahmen und Angriffe auf Polizei und Journalisten 

Nach Einschätzung der Polizei verlief die Demonstration alles andere als ruhig. „Während des Aufzuges wurden immer wieder israelfeindliche Sprüche skandiert“, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstagmittag. Nach Angaben der Behörde mussten die Einsatzkräfte 51 Männer und zwei Frauen festnehmen. Es wurden neun Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung, Widerstands, tätlichen Angriffs, Sachbeschädigung und Beleidigung eingeleitet. Außerdem habe es 28 Anzeigen wegen Verstößen gegen die Infektionsschutzverordnung gegeben. 

Als der Aufzug mit seinen rund 3000 Teilnehmern gegen 19.20 Uhr den vereinbarten Endplatz Unter den Linden / Wilhelmstraße erreichte, soll laut Polizei ein 19-Jähriger Demonstrant mit einer Holzlatte auf einen Kameramann eingeschlagen haben. Der junge Angreifer wurde umgehend festgenommen, der Kameramann erlitt leichte Verletzungen.

Als sich die Versammlung so langsam auflöste, sei ein Polizist mit einem Stein beworfen worden. Sein Helm schützte ihn vor Verletzungen, hieß es. Kurz darauf zündeten Unbekannte Feuerwerk unter einem geparkten Polizeiwagen. Der Fahrer erlitt aufgrund der Explosion ein Knalltrauma.