Anti-Kriegs-Proteste in Russland: Polizei feuert Warnschüsse ab

Im Kaukasus haben Familien dagegen protestiert, dass ihre Männer in den Krieg gezwungen werden. Dabei fielen laut Bürgerrechtlern plötzlich Schüsse. 

In der russischen Teilrepublik Dagestan werden eingezogene Reservisten von ihren Familien verabschiedet. In der Region kam es kurz darauf zu massiven Protesten. 
In der russischen Teilrepublik Dagestan werden eingezogene Reservisten von ihren Familien verabschiedet. In der Region kam es kurz darauf zu massiven Protesten. Imago/Stringer

Bei einem Protest gegen die Mobilmachung von Reservisten sind Polizisten laut Bürgerrechtlern in der russischen Teilrepublik Dagestan im Kaukasus mit Warnschüssen gegen Demonstranten vorgegangen. Im Dorf Endirej blockierten Anwohner eine Straße, um so die von Russlands Präsident Wladimir Putin angeordnete Teilmobilisierung zu behindern, wie die unabhängige Organisation OVD-Info am Sonntag mitteilte.

Auf Videos ist zu sehen, wie Polizisten Gewehre in die Luft richten, dann sind Schüsse zu hören. Auch Gerangel zwischen Anwohnern und Beamten ist zu sehen. Laut dagestanischen Medien war der Protest eine Reaktion darauf, dass aus dem Dorf 110 Männer in den Krieg gegen die Ukraine gezwungen wurden.

Mobilmachung: Bei vielen Russen herrscht Panik

Angesichts jüngster Niederlagen seiner Armee hatte Kremlchef Putin am vergangenen Mittwoch angeordnet, nun auch Reservisten zum Kampf in der Ukraine zu verpflichten. Seitdem herrscht bei vielen Russen große Panik. Der russische Angriffskrieg dauert bereits seit mehr als sieben Monaten an.

Das muslimisch geprägte Dagestan gehört zu den Regionen Russlands, aus denen Beobachtern zufolge besonders viele Männer eingezogen werden. Aktivisten beklagen, dass Angehörige ethnischer Minderheiten besonders stark von der Mobilmachung betroffen sind und sprechen deshalb teils sogar von „ethnischen Säuberungen“.