Aachen -  Der Anwalt eines erfundenen NSU-Opfers ist vom Landgericht Aachen vom Vorwurf des Betrugs freigesprochen worden. Die Kammer habe keinen vorsätzlichen Betrug feststellen können, sagte die Vorsitzende Richterin der neunten großen Strafkammer am Montag. Der Anwalt aus Eschweiler war im Münchner NSU-Prozess im Namen eines Opfers des Nagelbombenanschlags der Rechtsterroristen in der Kölner Keupstraße aufgetreten – das vermeintliche Opfer gab es jedoch gar nicht.

Das Mandat sei dem Angeklagten damals von einem anderen Anwalt angetragen worden. Auch hatte ein tatsächliches Opfer des Anschlags das angebliche Opfer eingeführt und für die Vermittlung eine Provision verlangt. Dieser, inzwischen gestorbene Mann, habe sich das Opfer ausgedacht, erklärte das Gericht nach knapp vier Monaten Prozessdauer. Es habe aber Nachlässigkeiten des heute 53-jährigen Anwalts in der Mandatsführung gegeben. Auch habe er gegen anwaltliche Sorgfaltspflichten verstoßen. Dem Anwalt drohen berufsrechtliche Konsequenzen vor einem Anwaltsgericht.

Für den Münchner Prozess hatte er mehr als 200.000 Euro aus der Staatskasse bezogen. Diese zahlt er in monatlichen Raten ab.

Über fünf Jahre waren am Oberlandesgericht München die rassistischen Morde des sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) sowie der Mord an einer Polizistin verhandelt worden. 2018 wurde Beate Zschäpe wegen zehnfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.