Abu DhabiIn den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) wird es in Zukunft keinen Unterschied mehr bei der Härte der Bestrafung von Morden an Frauen geben. Wurde eine Frau ermordet, weil sie nach Ansicht ihrer engsten Verwandten gegen die Tradition verstoßen und vermeintlich die Ehre der Familie verletzte, sicherte ein Artikel dem Mörder bisher eine mildere Strafe zu. „Auf der Grundlage des soliden Engagements der VAE für den Schutz der Rechte der Frauen wurde durch Änderungen des Strafgesetzbuches und des Strafprozessrechts der Artikel aufgehoben“, teilte die staatliche Nachrichtenagentur Wam am Sonnabend mit.

Der Präsident der Emirate, Scheich Chalifa bin Said al-Nahjan, verabschiedete gleich mehrere Gesetzeserlasse, die das tägliche Leben der Menschen in dem Golfstaat erheblich beeinflussen. Die Dekrete sollten „die Prinzipien der Toleranz in der Gesellschaft verankern und die Position des Landes als bevorzugtes Drehkreuz stärken, das Menschen zum Wohnen und Arbeiten anzieht“, hieß es in der Erklärung.

Vor allem für Ausländer auf Reisen oder mit festem Wohnsitz in den Emiraten bedeuten die Änderungen eine Verbesserung der Rechtslage. Angehörige eines anderen Staates können nun etwa Erbschaftsfragen nach dem Recht ihres Heimatlandes regeln. Bisher wurde das Erbe einer verstorbenen Person gemäß einer strengen Auslegung islamischer Rechtsvorschriften nach der Scharia geregelt.

Berichten der englischsprachigen VAE-Zeitung „The National“ zufolge soll auch der Ausschank von Alkohol nicht mehr an eine Alkohollizenz gebunden und strafbar sein. Ab einem Alter von 21 Jahren sei es nun erlaubt, Alkohol zu trinken oder zu besitzen. Zudem ließen die neuen Gesetze die gemeinsame Unterbringung und das Zusammenleben unverheirateter Paare zu, so das Blatt. Bisher sei es zwar geduldet gewesen, dass sich ein unverheiratetes Paar in den Emiraten eine Unterkunft teilt, die Gefahr einer Anklage sei aber immer geblieben.