Bericht: Asylsuchende auf Mittelmeer-Fähren eingesperrt und angekettet

Laut einer ARD-Recherche werden Geflüchtete bei der Überfahrt auf engstem Raum eingesperrt. Den Betroffenen soll systematisch Asyl verweigert werden.

Die Migranten sollen unter unwürdigen Bedingungen über das Mittelmeer transportiert werden.
Die Migranten sollen unter unwürdigen Bedingungen über das Mittelmeer transportiert werden.AP/Jeremias Gonzalez

Asylsuchende werden einem Bericht zufolge auf Fähren zwischen Italien und Griechenland offenbar systematisch in engen Metallschächten und anderen dunklen Räumen gefangen gehalten. Teilweise würden die Geflüchteten sogar mit Handschellen auf den Booten festgekettet, wie das ARD-Politikmagazin „Monitor“ am Donnerstag berichtete. Betroffen seien offenbar auch Minderjährige.

Dem Bericht zufolge handelt sich bei den Festgehaltenen um Geflüchtete, die von Italien aus nach Griechenland zurückgezwungen werden – ohne die Möglichkeit, vorher Asyl zu beantragen. Das Magazin beruft sich auf gemeinsame Recherchen mit weiteren Medien. Im Rahmen der europäischen Recherche-Kooperation sei es erstmals gelungen, die Existenz der provisorischen Gefängnisse auf den Passagierschiffen nachzuweisen.

Rechtsexpertin: „Klar menschenunwürdige Unterbringung“

Die Recherchen erfolgten anhand von Fotos und Berichten von Betroffenen. Diese gaben unter anderem an, dass Asylsuchende teilweise ohne ausreichende Verpflegung oder Zugang zur Toilette auf dem Weg zurück nach Griechenland festgehalten würden.

„Auf der Fähre steckten sie mich in einen kleinen Raum“, berichtet einer der Betroffenen. „Es war dunkel, es gab keine Matratze, kein Bett, nur einen kleinen Ventilator. Essen oder Wasser habe ich nicht bekommen“. Auch Fährmitarbeiter hätten die Existenz solcher Räume bestätigt.

Die Recherchen zeigten eine „ganz klar menschenunwürdige Unterbringung“, sagte Dana Schmalz vom Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht. Dies verstoße sowohl gegen EU-Recht als auch gegen Vorgaben der Europäischen Menschenrechtskonvention. Das zuständige Fährunternehmen bestritt seinerseits alle Vorwürfe.