Nach Ukraine-Postings: Behörden trennen 13-jährige Russin von der Familie

Das Kind sei wegen kritischer Kommentare zum Angriffskrieg in eine Jugendeinrichtung gebracht worden. Außerdem wurde ihr der Kontakt zum Vater verboten. 

Russische Bereitschaftspolizisten auf Patrouille. 
Russische Bereitschaftspolizisten auf Patrouille. dpa/Dmitri Lovetsky

In Russland wird einem 13-jährigen Mädchen nach Angaben einer Menschenrechtsgruppe wegen kritischer Kommentare zur Militäroffensive in der Ukraine der Kontakt zu ihrem unter Hausarrest stehenden Vater verweigert. Die in einem „Rehabilitationszentrum“ für Jugendliche untergebrachte Maria Moskaljewa dürfe „nicht mit ihrem Vater telefonieren“, erklärte die Organisation OVD-Info am Mittwoch.

Nach Angaben der Menschenrechtler hatten die russischen Behörden die Familie erstmals nach einem Vorfall im April 2022 ins Visier genommen: Wie die unabhängige Nachrichtenwebsite Medusa berichtete, hatte das Mädchen aus der Region Tula südlich der russischen Hauptstadt Moskau damals im Kunstunterricht eine pro-ukrainische Zeichnung angefertigt und darauf „Nein zu Krieg“ und „Ruhm der Ukraine“ geschrieben.

Ihr alleinerziehender Vater Alexej Moskaljew wurde daraufhin zu einer Zahlung von 32.000 Rubel (umgerechnet rund 400 Euro) verurteilt, weil er in Kommentaren in den Online-Netzwerken die russische Offensive kritisiert hatte.

Online-Petition: Zehntausende Russen unterstützen Vater und Tochter

Nun wurde Moskaljew erneut vorgeworfen, in Beiträgen auf Online-Netzwerken die „Armee diskreditiert“ zu haben. Anfang März wurde er nach Angaben der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Rua Nowosti unter Hausarrest gestellt und seine Tochter in das Jugendzentrum gebracht.

Das Kind werde darauf vorbereitet, den normalen Schulunterricht wieder aufzunehmen, zitierte Ria Nowosti die örtlichen Behörden. Eine Online-Petition zur Unterstützung von Vater und Tochter hatte bis Mittwoch 65.000 Unterschriften erhalten.

Die russische Offensive in der Ukraine wird in Russland offiziell „militärische Spezialoperation“ genannt. Einem neu verabschiedeten Gesetz zufolge kann die Veröffentlichung von als „falsch“ eingestuften Informationen über die russische Armee mit bis zu 15 Jahre Haft bestraft werden.