Russland ist nach eigenen Angaben „jederzeit“ zu einer Feuerpause auf dem gesamten Gelände oder Teilen des Industriegeländes Asow-Stahl in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol bereit. Voraussetzung für eine solche „humanitäre Pause“ wäre, dass die ukrainischen Verbände auf dem gesamten Gebiet von Asow-Stahl oder „in bestimmten Bereichen“ des Stahlwerks die weiße Flagge hissten, erklärte das russische Verteidigungsministerium am Freitag in Moskau.

Sollte die weiße Flagge gehisst werden, würden die russischen Streitkräfte „sofort alle Feindseligkeiten stoppen und einen sicheren Ausweg“ für die in dem Stahlwerk verschanzten ukrainischen Kämpfer und Zivilisten ermöglichen, erklärte das Ministerium. Die Zivilisten könnten dann entscheiden, ob sie sich auf russisches oder ukrainisches Gebiet begeben wollten.

Die „humanitäre Initiative“ der Russischen Föderation gelte 24 Stunden am Tag, hieß es in der Erklärung. Um die Menschen aus dem Asow-Stahl-Gelände zu bringen, stünden Busse, Autos und Krankenwagen bereit.

Die sich ergebenden ukrainischen Soldaten erhielten „Garantien“, dass sie nicht getötet würden, hieß es in Moskau weiter. Das Angebot werde alle 30 Minuten über alle Radiokanäle an die ukrainischen Einheiten auf dem Gelände von Asow-Stahl kommuniziert. Es sei zudem der ukrainischen Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk, den Vereinten Nationen und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) übermittelt worden.

Russland hatte am Donnerstag erklärt, die volle Kontrolle über die strategisch wichtige Hafenstadt Mariupol in der Südukraine übernommen zu haben – das riesige Gelände von Asow-Stahl ausgenommen. Berichten zufolge haben sich neben den verbliebenen ukrainischen Kämpfern auch Hunderte Zivilisten in dem Stahlwerk verschanzt.