Oslo - Der aktuelle Kriminalfall des Messerangreifers von Oslo beschäftigt nicht nur die Polizei der norwegischen Hauptstadt. In den sozialen Netzwerken sorgen Videos des Polizeieinsatzes vom Dienstag für Aufsehen. Eine dieser Aufnahmen zeigt: Bevor Polizisten den Täter erschossen, versuchten sie ihn mit einem Streifenwagen zu stoppen – indem sie das Fahrzeug als Rammbock einsetzten und den Angreifer überfuhren. Der Mann hatte zuvor mehrere Menschen mit einem Messer bedroht.

In der Videoaufnahme ist zu sehen, wie sich der Täter zunächst in wenigen Metern Entfernung frontal vor dem stehenden Polizeifahrzeug aufbaut. Er bewegt seine Beine hin und her. Dann gibt der Fahrer des Einsatzwagens Gas. Der Angreifer ruft einige nicht klar verständliche Worte, dann wird er von dem Polizeiwagen angefahren und auf die Motorhaube geschleudert. Das Scheppern des Blechs ist zu hören. Durch die Wucht des Aufpralls wird der Mann einige Meter weit geschleudert. Er steht auf und die Polizei versucht, ihn erneut anzufahren. Doch diesmal kann er auf den Gehweg ausweichen.

Das Video zeigt, wie Polizisten den Messerangreifer mit ihrem Streifenwagen anfahren.  

Quelle: Facebook/Nick Davidsen

Der Täter öffnet die Beifahrertür und sticht auf einen Polizisten ein

Auf weiteren Videoaufnahmen ist zu sehen, wie die Beamten versuchen, den Messerangreifer mit ihrem Wagen an eine Wand zu pressen, was aber nicht gelingt. Dann sieht man, dass der Täter die Beifahrertür öffnet und einen der Polizisten mit dem Messer verletzt. Nach Angaben eines Polizeisprechers hätten die Einsatzkräfte dann in Notwehr auf den Angreifer schießen müssen. Er sei wenig später gestorben. Die Ereignisse spielten sich demnach in der Nähe des Bislett-Stadions von Oslo ab.  

dpa/NTB/Torstein Bøe
Polizisten decken das Einsatzfahrzeug ab, mit dem Kollegen zuvor den Täter angefahren hatten. 

Der Angreifer war 2019 in einen ähnlichen Vorfall verwickelt

Trotz des Todes des Messerangreifers hat die Polizei eine Ermittlung wegen Mordversuchs eingeleitet. Der Mann habe vor Eintreffen der Einsatzkräfte mehrere Passanten mit seiner Stichwaffe bedroht und schließlich einen Polizisten im Einsatz verletzt. Laut Polizei soll der Angreifer bereits 2019 wegen eines ähnlichen Vorfalls zur Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt verurteilt worden sein. Am Tag vor der neuerlichen Tat sei er für kurze Zeit beurlaubt worden. 

Die Polizei hat nach eigenen Angaben keinen Hinweis auf ein Terrormotiv. „Dies ist eine Person, die uns schon vorher bekannt war und eine Geschichte hat“, sagte ein Polizeisprecher. „Und auf dieser Grundlage sehen wir keine Hinweise auf eine Terrortat, gleichzeitig schließen wir nichts aus.“ (mit dpa)